Raumfahrt-Technik für den Acker: geruchloser Dünger aus Gülle
DBU fördert Startup „Nunos“ aus Hürth mit 125.000 Euro
Das Düngen mit Gülle ist wichtiger Bestandteil einer im
Kreislauf gedachten Landwirtschaft. Aktuell ruhen viele Äcker noch, doch
ab Februar versorgen zahlreiche Landwirtinnen und Landwirte ihre Felder
wieder auf diese Weise mit Nährstoffen. Doch durch Gülle entstehen auch
umweltschädliche Gase wie Ammoniak und Methan.
Das Hürther Startup Nunos
GmbH hat nun ein Verfahren entwickelt, das Gülle in effizienteren,
geruchlosen Dünger umwandelt. Dies verringert den Ausstoß von
Treibhausgasen (THG) und sorgt gleichzeitig für eine bessere Nährstoff-
Versorgung der Pflanzen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert
das Unternehmen mit 125.000 Euro.
Weniger Emissionen in der konventionellen und der Bio-Landwirtschaft
Rund zwei Drittel der in der deutschen Landwirtschaft ausgestoßenen
Treibhausgase stammen Zahlen des Umweltbundesamts zufolge aus der
Tierhaltung – 5,3 Prozent aller in Deutschland anfallenden Treibhausgase.
Dabei gelangen vor allem klima- und umweltschädliches Methan und Ammoniak
über die Gülle in Luft und Boden. „Auf dem Weg hin zu einer nachhaltigen
Landwirtschaft werden für konventionelle wie für Bio-Betriebe innovative
Lösungen für die Reduktion von Treibhausgasen eine wichtige Rolle
spielen“, so DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Einen Ansatz bietet das
Startup Nunos. Mitgründer Tim Paulke zufolge wandelt die firmeneigene
Anlage „innerhalb eines 24-Stunden-Zyklus‘ mit einem rein biologischen
Verfahren Gülle zu einem Düngemittel mit höherer
Nährstoffnutzungseffizienz und deutlich geringeren Treibhausgas-Emissionen
um.“
Von Nischentechnik zu Klimaschutz in der Fläche
Als Ausgründung aus dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
optimiert das Nunos-Team eine in der Astronautik entwickelte Technologie
für eine breite Anwendung in der Landwirtschaft. Paulke: „Das
zugrundeliegende System wurde ursprünglich zur Aufbereitung von
menschlichem Urin als Düngemittel für den erdfreien Anbau in
Gewächshäusern auf Raumstationen entwickelt.“ Bei der neuen Anwendung
werde die Gülle in der bei den Betrieben errichteten Anlage mithilfe von
Mikroorganismen weiterverarbeitet. „Es entstehen ein dünnflüssiges,
geruchsloses Düngemittel und eine geringe Menge eines nährstoffreichen
Feststoffs,“ so Paulke.
„Wir rechnen bei der Ernte mit einem Mehrertrag von 20 Prozent“
Bei der Güllelagerung unter dem Stallboden reagieren die Ausscheidungen
und setzen schädliche Gase frei. Paulke: „Um die Ausgasung von Methan und
Ammoniak zu vermeiden, wird die Gülle möglichst schnell aus den Ställen in
die Aufbereitungsanlage geleitet.“ Das zügige Entfernen erhöht nach seinen
Worten auch das Tierwohl. Außerdem „werden die Nährstoffe in dem
Düngemittel so aufbereitet, dass sie direkt für die Pflanzen verfügbar
sind“, so der Nunos-Mitgründer. Diese Nährstoffe kämen schneller als beim
herkömmlichen Ausbringen der Gülle bei den Pflanzen an. Auswaschungen aus
dem Boden würden so deutlich verringert. „Nach ersten Pflanzversuchen
rechnen wir bei der Ernte mit einem Mehrertrag von bis zu 20 Prozent, was
wir in 2026 auf zwei landwirtschaftlichen Betrieben in Feldversuchen
validieren möchten“, prognostiziert Paulke.
Dünger eignet sich auch für den Hobby-Garten
Neben den Gülle-Aufbereitungsanlagen stellt das Startup nach eigenen
Angaben kleinere Mengen des Düngemittels für den Hausgebrauch her. „Der
Dünger wirkt auch für den heimischen Tomatenanbau oder Zimmerpflanzen wie
ein Multivitamin-Drink“, so Paulke. Der Vertrieb erfolge über das
Internet. Das Verfahren zur Umwandlung der Gülle in den effizienten Dünger
sei über das DLR patentiert und von Nunos exklusiv lizensiert. Paulke:
„Aktuell arbeiten wir hauptsächlich mit Rindergülle und Gärresten aus
Biogasanlagen. Durch die DBU-Förderung bekommen wir die Möglichkeit, das
Verfahren ausführlicher auf seine Umweltauswirkungen zu testen, anstatt
nur wirtschaftliche Faktoren zu betrachten.“ Außerdem geplant seien neue
Feldversuche, die die zusätzlichen Erträge durch den Dünger weiter
verifizieren und Optimierungsmöglichkeiten finden.
Landwirtschaftliche Betriebe wollen Veränderungen
DBU-Referentin Dr. Susanne Wiese-Willmaring sieht großen Bedarf in der
Landwirtschaft für Konzepte wie das von Nunos: „Die Bäuerinnen und Bauern
wissen von den Auswirkungen der bei ihrer Arbeit entstehenden
Treibhausgase. Oft wollen Sie etwas verändern und müssen es aufgrund
gesetzlicher Vorgaben teils auch.“ Die hohen Treibhausgas-Emissionen
brächten der Landwirtschaft einen Misskredit ein, der durch innovative
Lösungen behoben werden könne. Wiese-Willmaring weiter: „Für die Betriebe
müssen dabei Effektivität und wirtschaftliche Effizienz stimmen –
Herausforderungen, die Nunos beide aktiv angeht.“
Über die Green Startup-Förderung
Mit der Green Startup-Förderung unterstützt die DBU Gründerinnen und
Gründer, die auf innovative und wirtschaftlich tragfähige Weise Lösungen
für Umwelt, Ökologie und Nachhaltigkeit entwickeln. Mehr Informationen
gibt es unter https://www.dbu.de/startup.
