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HoF-Publikation: Widerstand zwecklos? Transferhemmnisse systematisch in Stärken verwandeln

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Transferwiderstände sind nicht das Problem – sie sind der Schlüssel zur
Lösung. Die innovativsten Transferlösungen entstehen dort, wo Menschen
produktiv gegen überbordende Bürokratie „widerständig“ werden. Statt diese
Widerstände zu bekämpfen, können Hochschulen sie systematisch als
Entwicklungsressource nutzen. Die Handreichung ist als Praxisleitfaden
konzipiert.

Mit Selbstcheck-Tools können Hochschulen ihre spezifischen
Transferhemmnisse diagnostizieren und mithilfe der vorgestellten
Handlungsoptionen bearbeiten. Im Mittelpunkt der Publikation steht die
systematische Gestaltung der organisationalen Rahmenbedingungen für
Transfer – das Transferbedingungsmanagement.

Hochschulen stehen unter enormem Erwartungsdruck: Sie sollen nicht nur
exzellent forschen und lehren, sondern ihre Erkenntnisse auch aktiv in
Gesellschaft und Wirtschaft einbringen. Transfer als „Third Mission“ ist
längst keine Kür mehr, sondern Pflicht. Doch in der Praxis scheitern viele
Transfervorhaben an der lähmenden Wirkung bürokratischer Strukturen und
Prozesse.

In der Praxis kann das beispielsweise wie folgt aussehen: Professorin Dr.
Müller möchte mit einem innovativen Start-up kooperieren. Das Start-up
braucht eine Antwort bis Freitag – die Hochschule braucht sechs Wochen für
die Vertragsfreigabe. Oder: Der Transfermanager Schmidt hat eine brillante
Kooperationsidee, doch die Regeln der Trennungsrechnung erfordern eine
derart komplizierte Aufschlüsselung, dass das Projekt wirtschaftlich
unattraktiv wird. Oder: Das Rektorat will Transfer strategisch fördern,
aber die Verwaltung arbeitet noch mit Verfahren aus den 1990er Jahren.

Genau hier setzt die neue HoF-Handreichung „Widerstand zwecklos?“ an – mit
einem zunächst kontraintuitiven Ansatz: Widerstände gegen
Transferbürokratie sind nicht das Problem – sie sind der Schlüssel zur
Lösung. Wo Menschen kreative „Workarounds“ erfinden oder Regelungen
pragmatisch auslegen, dort zeigen sich die tatsächlichen
Optimierungsbedarfe einer Organisation.

Das empirische Material aus sieben Hochschulfallstudien mit 70
Experteninterviews zeigt: Die innovativsten Transferlösungen entstehen
dort, wo Menschen produktiv gegen überbordende Bürokratie „widerständig“
werden. Statt diese Widerstände zu bekämpfen, können Hochschulen sie
systematisch als Entwicklungsressource nutzen.

Die Handreichung stellt typische Problemlagen im hochschulischen Transfer,
Widerstandspraktiken und Lösungsansätze in Form von vier
Widerstandsclustern vor:
•  Das Bürokratiedilemma: Starre öffentlich-rechtliche Rahmenbedingungen
treffen auf die flexiblen Bedarfe von Transferaktivitäten.
•  Die Systemkollisionen: Wissenschaftliche und wirtschaftliche Logiken
prallen aufeinander. Unterschiedliche Zeithorizonte,
Kommunikationskulturen und Erwartungen an die Zusammenarbeit führen zu
Missverständnissen zwischen Transferpartner.innen.
•  Die Prioritätenfalle: Transfer wird gegenüber Forschung und Lehre
systematisch zurückgestellt. Denn: Transfererfolge werden in akademischen
Karrierewegen (noch) kaum honoriert.
•  Die Effizienzfalle: Fehlendes Wissen und nicht etablierte Routinen
bremsen Prozesse aus.

Als Praxisleitfaden konzipiert, bietet die Publikation zwei konkrete
Diagnoseinstrumente.
1) Das Transferwiderstände-Radar ermöglicht eine schnelle Bestandsaufnahme
der Probleme im Transferbereich durch Befragung verschiedener
Statusgruppen. Hochschulleitung, Transfermanagement und
Wissenschaftler.innen haben mitunter unterschiedliche Wahrnehmungen der
Transferbedingungen an ihrer Hochschule. Der Fragenkatalog hilft, diese
zusammenzubekommen – die Visualisierung des Radars zeigt auf einen Blick,
wo Handlungsbedarf besteht.
2) Das Transferpotenzial-Mapping geht über klassische Organigramme hinaus
und erfasst sowohl formale als auch informelle Beziehungen zwischen
Transferakteuren. Es macht sichtbar, wer tatsächlich mit wem
zusammenarbeitet und wo Reibungspunkte bestehen.

Aus der Diagnose folgen 32 Handlungsoptionen, strukturiert nach drei
Ebenen:
•  Strategische Ebene: Langfristige strukturelle Veränderungen wie die
Einrichtung von Transferprofessuren, hochschulinterne Transferbudgets oder
die Auslagerung in eigenständige Rechtsformen.
•  Operative Ebene: Prozessoptimierungen wie standardisierte
Vertragsvorlagen, vereinfachte Entscheidungswege oder die Erweiterung
administrativer Zugriffsrechte für Projektverantwortliche.
•  Kulturelle Ebene: Maßnahmen zur Veränderung von Einstellungen wie
Mentoring-Programme für den wissenschaftlichen Nachwuchs,
Experimentierräume für innovative Transferformate oder die Dokumentation
pragmatischer Lösungsansätze.

Ein besonderes Highlight: Die Handreichung versammelt 50 „Lifehacks für
den Transferalltag" – pragmatische Kniffe aus der gelebten Praxis, die
zeigen, wie Akteure im Alltag mit strukturellen Hürden ganz konkret
umgehen.

Die Publikation richtet sich an Hochschulleitungen, Transfermanager.innen,
Wissenschaftler.innen und Verwaltungskräfte gleichermaßen. Ein
detailliertes Nachschlagewerk mit Umsetzungsschritten zu allen
Handlungsoptionen macht sie zum praktischen Arbeitsinstrument für die
Hochschulentwicklung.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Olivia Laska, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Sebastian Schneider, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.lle.de

Originalpublikation:
Olivia Laska / Sebastian Schneider / Christiane Maue / Justus Henke:
Widerstand zwecklos? Transferhemnisse systematisch in Stärken verwandeln
(HoF-Handreichungen 18), Institut für Hochschulforschung (HoF), Halle-
Wittenberg 2025, 117 S. ISBN 978-3-69059-007-5
https://www.hof.uni-halle.de/web/dateien/pdf/HoF-Handreichungen18.pdf