Denkanstöße live: Neues teutolab-sozialwissenschaften startet
An der Universität Bielefeld entsteht mit dem teutolab-
sozialwissenschaften ein neuer außerschulischer Lernort: Er verbindet
Politik, Wirtschaft und Soziologie und lädt Jugendliche ein, ihren Alltag,
gesellschaftliche Konflikte und Zukunftsfragen kritisch zu erkunden.
Forschende der Universität entwickeln hier neue Wege, um junge Menschen zu
stärken, in einer Zeit wachsender Unsicherheiten und politischer
Polarisierung.
An der Universität Bielefeld geht Anfang 2026 ein neues teutolab an den
Start: das teutolab-sozialwissenschaften. Es ergänzt die als
außerschulische Lernorte etablierten und über die Region bekannten
teutolabs erstmals um einen geisteswissenschaftlichen Schwerpunkt.
Projektleiter Tim Schubert betont: „Wir wollen Jugendlichen einen Raum
geben, in dem sie gesellschaftliche Fragen angstfrei, selbstbestimmt und
kritisch erkunden können. Gerade jetzt brauchen junge Menschen das Gefühl,
gehört zu werden.“
Das neue Angebot entsteht in einer gesellschaftlich herausfordernden Zeit.
Weltweit gewinnen Autokratien an Einfluss, Demokratien geraten unter
Druck. Zugleich fühlen sich viele Jugendliche politisch wenig ernst
genommen, obwohl rund 80 Prozent angeben, Politik mitgestalten zu wollen.
Studien zeigen: Wer sich als selbstwirksam erlebt, also als Mensch, der
Einfluss nehmen kann, engagiert sich eher politisch. Genau hier setzt das
teutolab an.
Alltag, Konflikte, Orientierung
Die erste Pilotreihe startet im Februar 2026 für die Jahrgangsstufe 11.
Ihr Titel „Können wir uns lieben?“ greift ein Thema auf, das Jugendliche
stark beschäftigt: gesellschaftliche Spaltung und die Angst vor
Feindseligkeiten. Die Reihe bietet Orientierung in politischen
Grundfragen, etwa bei Verteilungs- und Ressourcenentscheidungen.
Fachbegriffe wie „Polarisierung“ (die zunehmende Zuspitzung
gegensätzlicher Positionen) oder „Fake-News“ (gezielte
Falschinformationen) werden verständlich erklärt, von den Jugendlichen
selbst erarbeitet und praktisch erfahrbar gemacht.
Ein zentrales Ziel ist es, Jugendlichen Wege aus ihren algorithmisch
gefilterten Social-Media-Blasen zu eröffnen. Da Plattformen wie Instagram
oder TikTok für viele die wichtigsten Informationsquellen sind, lernen sie
im teutolab, Inhalte kritisch zu prüfen und unterschiedliche Perspektiven
auszuhalten.
Lernen, das wirkt
Das Setting folgt einem konstruktivistischen Ansatz, einer Lernform, in
der Jugendliche Wissen aktiv aufbauen, statt es nur aufzunehmen. In
offenen und selbstorganisierten Arbeitsphasen nutzen sie digitale
Lernumgebungen sowie bewusst gewählte haptische Methoden. So stärken sie
ihre Urteilskraft, ihre Methodenkompetenz und ihr Vertrauen in die eigene
Wirksamkeit.
Das teutolab-sozialwissenschaften ist in ein Forschungsprojekt
eingebettet, das Professor Dr. Udo Hagedorn und Projektleiter Tim Schubert
entwickeln. Es untersucht, wie sich soziales Lernen im schulischen Umfeld
von Lernprozessen an einem außerschulischen Ort unterscheidet. „Für die
Geistes- und Gesellschaftswissenschaften ist das etwas Neues, das wir hier
aufbauen. Wir freuen uns sehr auf die Öffnung für Schulen und die
Zusammenarbeit mit den Jugendlichen“, sagt Hagedorn.
Weitere Reihen zu „Demokratie“ und „Human-AI-Teams“ sind bereits in
Planung, ebenfalls in enger Zusammenarbeit mit weiteren
Wissenschaftler*innen der Universität Bielefeld.
Das neue teutolab sieht sich als Netzwerkpartner innerhalb der
Universität. Es bündelt Expertise und öffnet Jugendlichen einen Raum, in
dem sie Zukunft informiert und mit eigener Stimme gestalten können.
