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Trügerische Sicherheit - Team der TU Darmstadt deckt gravierende Schwachstellen bei Kinder-Smartwatches auf

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 Ein Forschungsteam der TU Darmstadt hat
Sicherheitslücken im aktuellen Modell einer weit verbreiteten Kinder-
Smartwatch identifiziert. Die Ergebnisse wurden heute auf dem Chaos
Communication Congress (CCC) in Hamburg vorgestellt.

Smartwatches für Kinder werden als Einstieg in die digitale Welt immer
beliebter und lagen wahrscheinlich auch in diesem Jahr vielfach unter
Weihnachtsbäumen. Der mit mehr als 1,5 Millionen Smartwatches in Europa
stark vertretene norwegische Hersteller Xplora wirbt mit Spielspaß und
Abenteuer für die Kinder. Für die Eltern steht jedoch die Sicherheit im
Vordergrund: Die Kinder können nur mit ausgewählten Kontakten über Text
und Sprachnachrichten kommunizieren, und in der Eltern-App lässt sich der
Standort der Kinder überwachen – so zumindest die Werbeaussage des
Herstellers.

Aber wie viel Wahrheit steckt hinter diesen Versprechungen? Und machen
diese Tracking-Smartwatches den Alltag der Kinder tatsächlich sicherer?
Diese Frage beschäftigte ein Team des Fachgebiets Sichere Mobile Netze
(SEEMOO) am Fachbereich Informatik der TU Darmstadt. „Wir wollten
untersuchen, wie es um die Sicherheit und den Datenschutz von Smartwatches
für Kinder bestellt ist“, erklärt Fachgebietsleiter Professor Matthias
Hollick. „Immer mehr Eltern nutzen diese bereits im Kindergarten- oder
Grundschulalter ihrer Kinder, um stets digital mit ihnen verbunden zu
sein.“

Einen Schlüssel auslesen, auf alle Uhren zugreifen

Im Rahmen einer Masterarbeit wurde ein aktuelles Modell des Marktführers
Xplora genauer analysiert. Malte Vu, der seine Abschlussarbeit im
Frühsommer 2025 unter der Betreuung von Nils Rollshausen, Doktorand am
Fachgebiet SEEMOO, abgeschlossen hat, konnte innerhalb weniger Tage den
Entwicklermodus der Uhr aktivieren und Xploras Software extrahieren.
Anschließend stellte er fest, dass ein Angreifer durch das Auslesen eines
einzigen Schlüssels tiefgreifenden Zugriff auf eine Vielzahl von Uhren
erlangen konnte. „Besonders kritisch war, dass man mit dem Auslesen des
Schlüssels aus einer einzigen Uhr den vollen Zugriff auf sämtliche Uhren
des gleichen Typs erlangen konnte”, sagt Rollshausen.

Weitere Tests zeigten, dass Angreifer Zugriff auf die privaten Chats,
Bilder und Sprachnotizen erlangen können, die zwischen der Eltern-App und
der Kinder-Smartwatch ausgetauscht werden. Dies ermöglichte es Angreifern
unter anderem, Nachrichten im Namen von Kindern an die Eltern-App zu
senden und die Standortdaten zu manipulieren.

Die Ergebnisse wurden im Mai 2025 an Xplora übermittelt. Xplora
implementierte im August und Oktober 2025 erste Verbesserungen, die jedoch
die grundlegenden Schwachstellen nicht behoben. Aufgrund der Dringlichkeit
des Problems schalteten die Forschenden das Bundesamt für Sicherheit in
der Informationstechnik (BSI) ein. Xplora hat als Reaktion inzwischen
angekündigt, eine umfassende Sicherheitsaktualisierung für den Januar 2026
bereitzustellen. Dieses Update sollte zeitnah installiert werden. Darüber
hinaus werde ein überarbeitetes Programm zur Meldung von Sicherheitslücken
implementiert.

„Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung unabhängiger Überprüfungen
der Sicherheit von Geräten für Kinder im digitalen Raum”, betont Hollick.
Da eine direkte Prüfung der Sicherheit durch Eltern in der Regel nicht
möglich ist, sei es ratsam, sich auf unabhängige Bewertungen und Berichte
von Expertinnen und Experten zu verlassen, um fundierte Entscheidungen
über den Einsatz von Smartwatches für Kinder zu treffen.