Neue Perspektiven für autonomes Fahren: Niedersachsen entwickelt intelligente Verkehrsinfrastruktur mit KI
Ein Konsortium aus Forschung und Industrie startet „KI3nfrastruktur“, um
die Sicherheit und Effizienz autonomer Fahrzeuge im Straßenverkehr zu
verbessern. Ziel ist eine KI-basierte, infrastrukturgestützte
Wahrnehmungslösung. Die wissenschaftliche Begleitung übernimmt die TU
Braunschweig mit dem Institut für Fahrzeugtechnik, das zudem den Shuttle
RAION und geplante Infrastrukturmasten zur Verfügung stellt.
Die Firmen
Dream Chip Technologies GmbH und Hilynx GmbH steuern u.a. Kompetenzen im
Bereich kamerabasierter Systeme zur Umfelderfassung sowie im Requirements
Engineerings bei. Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von 1,98 Mio. Euro,
davon fördert die NBank rund 1,1 Mio. Euro aus EFRE-Mitteln.
Autonome Fahrzeuge stoßen bislang insbesondere in komplexen
Verkehrssituationen an ihre Grenzen – etwa durch Abschattungen anderer
Fahrzeuge, Gebäude oder Hindernisse. Das neue Forschungsprojekt setzt
genau hier an: Durch strategisch platzierte Kamerasensor-Masten, etwa an
Kreuzungen oder Haltestellen, soll die Umgebung aus einer externen
Perspektive erfasst und in Echtzeit mit autonomen Fahrzeugen geteilt
werden. Diese zusätzliche Informationsquelle verbessert die
Situationsbewertung erheblich und schafft die Grundlage für einen sicheren
und verkehrseffizienten Betrieb autonomer ÖPNV-Fahrzeuge.
Ganzheitlicher Entwicklungsansatz – von der Mikroelektronik bis zur
Marktreife
Ein Alleinstellungsmerkmal des Projekts ist sein ganzheitlicher Ansatz: In
Niedersachsen entwickelte Mikroelektronik inklusive maßgeschneidertem
Chip-Design wird mit rechenoptimierten KI-Algorithmen und standardisierten
V2X-Kommunikationsprotokollen kombiniert. So entsteht ein
kosteneffizientes, interoperables und marktfähiges Produkt, das sich
flexibel in verschiedene städtische und ländliche Infrastrukturen
integrieren lässt.
Ein weiteres herausragendes technisches Projektmerkmal ist die innovative
Selbstkalibrierung der Sensorik. Sie reduziert Installations- und
Wartungsaufwand erheblich und sorgt dafür, dass die Systeme auch bei
Standortwechsel oder wechselnden Umweltbedingungen optimal funktionieren.
Die Umsetzung erfolgt in drei Phasen:
1. Systementwurf und Simulation
2. Test in einer kontrollierten Umgebung,
3. Erprobung im realen Straßenverkehr.
In der finalen Projektphase wird das System im Zusammenspiel mit einem
autonomen Level-4-E-Shuttle getestet – eingebettet in die langfristige
Vision eines autonomen Regelbetriebs im Stadtgebiet Braunschweig, der
perspektivisch auf das gesamte Land Niedersachsen ausgeweitet werden soll.
Starke Partnerschaft für die Mobilität von morgen
Das Projekt vereint starke Kompetenzen aus Industrie und Forschung:
• HILYNX verantwortet das Requirements Engineering und die
Systemintegration – mit Fokus auf Marktfähigkeit und Skalierbarkeit.
• Dream Chip Technologies bringt ihre Expertise in kamerabasierter
Umfelderfassung und Hardwareentwicklung ein und adaptiert bestehende
Technologien für den Infrastruktureinsatz.
• Das Institut für Fahrzeugtechnik der Technischen Universität
Braunschweig treibt mit seinem autonomen Level-4-Shuttle-Demonstrator
RAION die Erprobung im Realbetrieb entscheidend voran und verantwortet die
wissenschaftliche Begleitung im Projekt.
Gemeinsam schaffen die Partner die Grundlage für eine sichere, effiziente
und interoperable Verkehrsinfrastruktur, die den flächendeckenden Einsatz
autonomer Fahrzeuge ermöglicht.
Über die Projektpartner:
Dream Chip Technologies
Das Unternehmen Dream Chip Technologies GmbH (DCT) mit Hauptsitz in
Garbsen in der Region Hannover ist Deutschlands größtes unabhängiges Chip-
Design-Unternehmen mit Kunden aus allen Industriebereichen. DCT ist
bekannt für Kamera-basierte Lösungen und Image Signal Processing sowie
Chipdesign. DCT verfügt u.a. über eine Embedded-Plattform, die sich für
Applikationen im Bereich Automotive und Industrial eignet. Diese Plattform
besteht aus Kameraschnittstellen, DCT eigenentwickeltem Image Signal
Prozessor, einer KI-Umgebung, Prozessoreinheiten sowie einer DSP-Einheit
und Ausgabeschnittstellen wie PCIe, Ethernet und MIPI. Diese Plattform
eignet sich hervorragend für Kamera- und KI-basierte Edge-Lösungen.
HILYNX GmbH
Die HILYNX GmbH wurde im Jahr 2023 mit dem Ziel gegründet, hochinnovative
und technologisch anspruchsvolle Produkte zu entwickeln, zu realisieren
und erfolgreich in den Markt zu bringen. Als technologieorientiertes
Unternehmen mit Sitz in Niedersachsen arbeitet HILYNX an der Schnittstelle
von Forschung, Entwicklung und Kommerzialisierung. Der Fokus liegt auf der
Entwicklung von Systemlösungen in den Bereichen künstliche Intelligenz,
eingebettete Systeme, digitale Infrastrukturen angewandt auf die Domänen
Mobilität, Luft- und Raumfahrt und digitale Identitäten. HILYNX bringt
dabei technologische und methodische Expertise in Bereichen wie
Systemarchitektur, Softwareentwicklung, Hardwareintegration und
Validierung ein. Im Kontext der Kommerzialisierung liegen die Schwerpunkte
in der Geschäftsmodellentwicklung und im Vertrieb hochinnovativer
Produkte. Das Team besteht aus neun hochqualifizierten Mitarbeitenden mit
interdisziplinärem Hintergrund, die Erfahrungen aus Hightech-Startups, der
Industrie und anwendungsnaher Forschung vereinen.
Institut für Fahrzeugtechnik (IfF) der Technischen Universität
Braunschweig
Das Institut für Fahrzeugtechnik (IfF) der TU Braunschweig entwickelt und
erprobt automatisierte und autonome Fahrzeuge und bündelt hierfür alle
interdisziplinären Kernkompetenzen – von der eigenen (KI-basierten)
Fahrsoftware über die Vernetzung bis zur Erprobung im Realverkehr. Für
Anwendungsszenarien wie den Highway- und City-Piloten sowie den
fahrerlosen Shuttle- und Logistikbetrieb betreibt das IfF diverse eigens
aufgebaute Fahrzeugdemonstratoren. Ein weiterer Schwerpunkt ist das
Automatisierte Valet-Parken (AVP), bei dem das Institut langjährige
Expertise in der infrastrukturseitigen Umfelderfassung und Steuerung
besitzt. Mit dem Forschungsparkhaus Braunschweig steht dafür eine
interaktive Erprobungs- und Zertifizierungsumgebung mit installierter
Infrastruktursensorik zur Verfügung. Das IfF ist Mitglied im
Niedersächsischen Forschungszentrum Fahrzeugtechnik (NFF) und verantwortet
das Forschungsfeld „Automatisiertes und Vernetztes Fahren“.
