Recycling seltener Rohstoffe: Hochschule Pforzheim stärkt nachhaltige Lieferketten mit EU-Projekt REEsilience
Mit dem zuletzt preisgekrönten EU-Projekt REEsilience entsteht Europas
erste durchgängig digitalisierte und automatisierte Lieferkette für
Seltene Erden – einem Rohstoff, dessen Export China jüngst eingeschränkt
hat. Das von der Hochschule Pforzheim koordinierte Konsortium entwickelt
Recyclingprozesse, ein Mapping globaler Vorkommen Seltener Erden,
automatisierte Zerlegeverfahren und High-Performance-Magnete aus
Sekundärmaterial. Das Projekt soll damit Europas Abhängigkeiten von
kritischen Rohstoffen deutlich reduzieren.
Am 8. Dezember war Außenminister Wadephul zu Gast in China, um unter
anderem über Seltenen Erden zu sprechen – ein Rohstoff, dessen Ausfuhr
China zuletzt deutlich eingeschränkt hatte. Branchen wie E-Mobilität und
erneuerbare Energien sind dringend auf robuste und nachhaltige
Lieferketten angewiesen. Besonders kritisch sind dabei Seltene Erden, die
für starke Permanentmagnete in Elektromotoren, Generatoren, Windturbinen
und verschiedenen Hightech-Anwendungen benötigt werden. Aktuell stammen
über 99 Prozent der Rohstoffe aus dem außereuropäischen Ausland, vor allem
aus China.
Die EU hat sich mit dem Critical Raw Materials Act klare Ziele gesteckt:
Bis zum Jahr 2030 sollen zehn Prozent der kritischen Rohstoffe innerhalb
der EU gewonnen und 25 Prozent dort recycelt werden. Die derzeitige
Recyclingquote der Seltenen Erden liegt bei unter einem Prozent. So soll
in Zukunft die Abhängigkeit von Importen nach Europa verringert werden und
die Versorgungssicherheit gewährleistet werden.
Genau dort setzt das EU-Projekt „REEsilience“ an. Ziel ist es, digitale,
ressourceneffiziente und widerstandsfähige Lieferketten für Seltene Erden
aufzubauen. Der Fokus liegt dabei auf Recycling, Kreislaufwirtschaft und
der nachhaltigen Herstellung von Permanentmagneten. Das Projekt hat für
den Anfang der Prozesskette („upstream“) ein Mapping aller nicht-
chinesischen Seltenerdvorkommen und deren Umsetzungsstatus erstellt. Zudem
wurde eine umfangreiche Datenbank aufgebaut, die magnethaltige Schrotte
nach Relevanz für ein industrielles Recycling klassifiziert. Diese
Datenbank ist gleichzeitig auch eine wichtige Quelle für automatisierte
Zerlegungsverfahren magnethaltiger Komponenten, die im Projekt entwickelt
wurden. Auch ein detaillierter „Design-für-Recycling-Guide“ wurde
implementiert, der zeigt, wie Produkte so gebaut werden können, dass ihre
Rohstoffe später besser recycelt werden können. Diese Informationen sind
zentraler Bestandteil einer neuen europäischen technischen Spezifikation
für die Kennzeichnung magnethaltiger Produkte.
„Nach der erfolgreichen Produktion von High-Performance-Magneten aus
Recyclingmaterial sind wir auf der Downstream-Seite mittendrin, zwei
automatisierte Recycling- und Produktionsanlagen für Permanentmagnete
aufzubauen, die jeweils 100 Tonnen Magnetmaterial pro Jahr verarbeiten
können. Sie werden die ersten ihrer Art in Europa sein. Das zugehörige
Blockchain-System für vollständige Rückverfolgbarkeit und ein
Legierungsrechner, der alle ESG-Kriterien, also Ethics, Sustainability und
Governance, abbildet, sind weltweit einzigartig“, erläutert Prof. Dr.
Carlo Burkhardt, Koordinator des REEsilience-Projekts.
Erfolge und Beteiligung der Hochschule Pforzheim
Das Institut für strategische Technologie und Edelmetalle (STI) der
Hochschule Pforzheim hat in dem Projekt, das 2022 ins Leben gerufen wurde,
gleich mehrere Funktionen: Die Koordination des Gesamtprojekts mit allen
18 Partnern, aber auch technische Projektmanagement-Aufgaben, wie
beispielsweise die Entwicklung von Prozessen zur Herstellung der
Recyclingmagnete, das „Design for Recycling“, den Produktionsaufbau, die
Erstellung von Businessmodellen und die Projektkommunikation. Für seine
Erfolge wurde “REEsilience” im November 2025 von der EU als „European
Success Story“ ausgezeichnet. Es reiht sich damit in frühere preisgekrönte
Projekte der Hochschule Pforzheim ein, zum Beispiel REProMag und
SUSMAGPRO, die sich ebenfalls mit nachhaltiger Magnetproduktion und
Recycling beschäftigen.
„Aus REEsilience haben sich bereits einige Nachfolgeprojekte ergeben, in
denen wir aktiv sind. So zum Beispiel das Horizon-Projekt GREENE, das sich
mit der Weiterentwicklung von Magnetlegierungen beschäftigt oder das BMWE-
Projekt REDriveS, das die Zerlegung und Verwertung der kompletten
Antriebsachse von Elektrofahrzeugen zum Thema hat“, sagt Prof. Dr.
Burkhardt abschließend.
Über „REEsilience“
Das EU-Projekt “REEsilience“ wird vom Forschungs- und Innovationsprogramm
„Horizon Europe“ der Europäischen Union finanziert und vom Institut für
strategische Technologie und Edelmetalle der Hochschule Pforzheim
koordiniert. Es läuft bis Juni 2026. Das Konsortium umfasst 16
Projektpartner und zwei assoziierte Partner aus zehn europäischen Ländern
(Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Niederlande, Polen,
Slowenien, Spanien, Schweden und Vereinigtes Königreich), die neben
Entwicklung fortschrittlicher Softwaretools und automatisierter
Produktionsanlagen die Materialzusammensetzung optimieren, um die
Verwendung von Sekundärrohstoffen zu maximieren und die Umweltbelastung zu
reduzieren.
Wissenschaftliche Ansprechpartner:
https://www.hs-pforzheim.de/pr
