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Fraunhofer-PreCare-Plattform soll Gesundheitsversorgung der indigenen Bevölkerung Namibias verbessern

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Für viele Menschen in den abgelegenen Regionen Namibias ist der Weg zur
nächsten Klinik oder zum nächsten Arzt ein kaum zu bewältigendes
Hindernis. Besonders die indigene Bevölkerung, u.a. die Gemeinschaft der
San, leiden unter einer mangelnden medizinischen Betreuung. Hohe
Tuberkulose- und HIV-Raten, mangelnde Hygieneinfrastruktur und große
Entfernungen erschweren eine präventive und therapeutische Versorgung.

Nun
bringt eine technologische Innovation Hoffnung: Die autarke PreCare-
Plattform, montiert auf einem handelsüblichen Pick-up, soll eine
medizinische Grundversorgung auch in entlegensten, schwer erreichbaren
Gebieten verfügbar machen.

Am 10. Dezember 2025 übergaben Vertreter des Fraunhofer-Spin-off S Mile
Solutions und des Fraunhofer-Institute für Schicht- und Oberflächentechnik
IST in einem feierlichen Rahmen einen Prototyp der mobilen
Versorgungseinheit PreCare an die N/a’an ku sê Foundation. »Seit mehr als
zwei Jahrzehnten übernehmen wir mit unserer Lifeline Clinic die
medizinische Betreuung sanischer Gemeinschaften in entlegenen Siedlungen.
Die PreCare-Einheit bietet uns genau die Technologien und Möglichkeiten,
um die medizinische Versorgung zuverlässig dahin zu bringen, wo sie am
dringendsten benötigt wird«, freut sich Marlice van Vuuren, Mitbegründerin
und Geschäftsführerin der N/a’an ku sê Foundation.

Fraunhofer-Technologien für eine autarke »mobile Arztpraxis«

Die PreCare-Plattform ist das Ergebnis intensiver Forschungs- und
Entwicklungsarbeit innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft und der
Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern in Südafrika und Namibia. Sie
ist durch Solarstrom und Batteriespeicher sowie Wasseraufbereitungs- und
Kühlsysteme vollständig autark, verfügt über Systeme zur
Desinfektionsmittelherstellung und ermöglicht die Integration
verschiedener Geräte für die medizinische Diagnostik und
Kommunikationsmodule für die Telemedizin. Dadurch entsteht eine mobile
Arztpraxis, die grundlegende medizinische Untersuchungen, Impfungen sowie
präventive und therapeutische Maßnahmen auch vulnerablen Gruppen jenseits
der größeren Städte und Ortschaften zugänglich machen kann - unabhängig
von Stromnetz, Wasserversorgung oder ausgebauten Straßen. »Unser Ziel war
es, eine Plattform-Technologie zu schaffen, die sofort im Feld einsetzbar
ist und gleichzeitig flexibel an lokale Bedingungen angepasst werden
kann«, betont Dr. Martin Hamann, CEO von S Mile Solutions.

Partnerschaft für eine Versorgung auf der »letzten Meile«

Mit der Übergabe des Prototyps beginnt eine enge Zusammenarbeit der
Fraunhofer-Gesellschaft und der S Mile Solutions mit der N/a’an ku sê
Foundation. Während S Mile Solutions vor Ort das Fahrzeug und die
Plattform bereitstellt, schulen die Fraunhofer-Institute die
Mitarbeitenden der Lifeline Clinic in der Anwendung der Plattform und der
Technologien. Das geschulte Personal testet die Einheit anschließend im
Feld unter realen Bedingungen und liefert kontinuierlich Daten und
Feedback. »Die Erkenntnisse aus dem Feldtest und der Zusammenarbeit sind
zentral für die Weiterentwicklung und Optimierung zukünftiger Plattformen
und stärken den Transfer von Fraunhofer-Technologien in die Praxis«,
erklärt Frank Neumann, Teamleiter am Fraunhofer IST und Mitgründer von S
Mile Solutions.

Nachhaltiger Forschungstransfer: »Made in Africa for Africa«

Unter dem Leitgedanken »Made in Africa for Africa« verfolgen die
Fraunhofer-Institute für Schicht- und Oberflächentechnik IST und für
Solare Energiesysteme ISE sowie die S Mile Solutions das Ziel, Produktion,
Wartung und Betrieb mittel- bis langfristig in afrikanischen Ländern zu
verankern, um dort die Wertschöpfung zu stärken und langfristig
Fertigungsstrukturen aufzubauen. Lokale Expertinnen und Experten sollen
mit der Technologie arbeiten, sie weiterentwickeln und eigenständig
betreiben können. Die Zusammenarbeit mit der N/a’an ku sê Foundation
zeigt, wie wissenschaftliche Expertise, Ingenieurleistung und lokales
Wissen zusammenwirken können, um eine konkrete gesellschaftliche Wirkung
zu erzielen.