Konflikte um den Wald der Zukunft: Wie konstruktive Lösungen gelingen
Wälder müssen fit für den Klimawandel werden – doch Konflikte zwischen
verschiedenen Interessengruppen erschweren diese Entwicklung vielerorts.
Das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) hat in einem
Forschungsprojekt gezeigt, wie Dialog und Mediation bei der Konfliktlösung
helfen können. Die Ergebnisse haben die Forschenden nun in einem Leitfaden
für Kommunen zusammengefasst und für eine KI-gestützte Dialoganwendung
aufbereitet. Diese orientiert sich an den Wissensbedarfen der
unterschiedlichen Interessengruppen, wie Kommunalverantwortliche,
Förster*innen oder Naturschützer*innen.
Können Methoden aus dem Bereich der Mediation dabei helfen, festgefahrene
Konflikte um die Nutzung von Wäldern in Deutschland zu lösen? Ja, hat das
Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt am Main
herausgefunden. Das Forschungsprojekt „Konflikte um den Wald der Zukunft“
hat gezeigt: Lösungen, die aus partizipativen Verfahren hervorgehen und
von Mediation begleitet werden, erweisen sich sogar als besonders
tragfähig.
„Der Schlüssel für die Konfliktlösung liegt in Dialogprozessen, in denen
konstruktive, ergebnisoffene Gespräche gewährleistet sind“, fasst
Projektleiterin Deike Lüdtke die Forschungsergebnisse zusammen. „Eine
besondere Rolle kommt dabei der Person zu, die die Mediation moderiert.
Sie sollte den reichen Methodenschatz der Mediation beherrschen und
Erfahrung in der Moderation von Gruppen haben.“
Konflikte um die Waldnutzung gewinnen an Brisanz – Fronten verhärten sich
„In vielen Gemeinden gibt es Konflikte um die Nutzung des Waldes“, sagt
Projektleiter Michael Kreß-Ludwig. „Werden diese Konflikte nicht
konstruktiv bearbeitet, hat das eine Reihe negativer Folgen. So werden
wichtige Entscheidungen teilweise verzögert oder es werden bei den
Entscheidungen nicht alle verfügbaren Informationen und Wissensbestände
berücksichtigt.“ Im Forschungsprojekt wurde unter anderem im Zuge von
Dialogprozessen an Runden Tischen untersucht, ob sich Methoden aus der
transdisziplinären Forschung und Mediation so kombinieren und anpassen
lassen, dass sie bei der Bearbeitung von Waldkonflikten helfen.
Besonders durch den Klimawandel haben Konflikte um die Waldnutzung zuletzt
an Brisanz gewonnen und lokal wie regional viel Aufmerksamkeit erfahren –
etwa, weil durch die Trockenheit der vergangenen Jahre vielerorts große
Kahlflächen entstanden sind. Doch die verschiedenen kommunalen
Interessengruppen wie Forstbetriebe, Tourismusämter, Umweltschutzverbände
sowie Jagdgenossenschaften haben jeweils unterschiedliche Vorstellungen,
wie in dieser Situation vorgegangen werden sollte. Dabei können sich die
Fronten so verhärten, dass ein konstruktiver Dialog nicht mehr möglich
ist.
Leitfaden aus dem Forschungsprojekt „Konflikte um den Wald der Zukunft“
In qualitativ angelegten Fallstudien hat das Projektteam mehrere Gemeinden
intensiv begleitet, die ihre Waldnutzungskonflikte mit speziell
angepassten Methoden aus dem Bereich der Mediation bearbeitet haben. So
konnte das Projektteam wichtige Erkenntnisse gewinnen, von denen auch
andere Gemeinden profitieren können. Ihre Ergebnisse haben die Forschenden
nun in einem Leitfaden zusammengefasst.
Der Leitfaden richtet sich sowohl an Gemeinden als auch an private
Waldbesitzende, Umweltverbände und andere an der Gestaltung des Waldes
beteiligte Akteure. Wichtige Impulse für die erfolgreiche Lösung von
Konflikten liefert die Publikation insbesondere für die Verantwortlichen
in Kommunen. Der Leitfaden kann sie dabei unterstützen, Konflikte um die
Waldnutzung möglichst frühzeitig zu erkennen und konstruktiv zu
bearbeiten.
Festgefahrene Konflikte: Neue Dynamik durch Mediation
„Auf Waldkonflikte angepasste Mediations- und Partizipationsverfahren
unterstützen und entlasten insbesondere Führungskräfte in den Kommunen“,
berichtet Michael Kreß-Ludwig. Sie befänden sich oft „zwischen allen
Stühlen“, beschrieb ein an der Mediation teilnehmender Bürgermeister seine
Situation. „Bei festgefahrenen Konflikten hat erst die Mediation die
Teilnehmenden in die Lage versetzt, vorgefasste Annahmen über andere
Akteursgruppen zu hinterfragen“, sagt Kreß-Ludwig. Die Mediation habe eine
neue Dynamik in Gang gebracht und konstruktive Gespräche wieder möglich
gemacht.
„Oft haben die Teilnehmenden im Laufe des moderierten Dialogprozesses
erkannt, dass ihre Positionen weit weniger auseinanderlagen als
ursprünglich gedacht,“ ergänzt Deike Lüdtke. Für konkrete Konflikte in den
betroffenen Wäldern ließen sich anschließend meist für alle Beteiligten
annehmbare Lösungen finden. „In mehreren Kommunen haben sich die
Teilnehmenden dazu verabredet, auch nach dem Ende der Mediation im
regelmäßigen Austausch zu bleiben“, berichtet Deike Lüdtke. „Die Runden
Tische mit Mediation erweisen sich auch nach Projektende noch als
tragfähig, wenn die ehemaligen Konfliktparteien die kritischen Fragen um
den Wald der Zukunft von nun an frühzeitig erkennen und gemeinsam lösen
wollen.“
KI-gestützte Anwendung: Online-Chat für den Wissenstransfer
Um den Transfer von Wissen zwischen Wissenschaft und Praxis zu den
Konfliktthemen wie Biodiversität, Klimaschutz, Waldbewirtschaftung oder
Waldgesundheit zu unterstützen, wurde im Projekt neben dem Leitfaden eine
KI-gestützte Chat-Anwendung entwickelt. Sie soll Kommunen und weiteren
Interessierten den Zugang zu den Projektergebnissen erleichtern. Über eine
konversationsbasierte Schnittstelle können Förster*innen,
Waldbesitzer*innen, Kommunalverantwortliche, Umweltverbände oder
Bürger*innen künftig direkt Fragen zur Bearbeitung von Waldkonflikten
stellen.
Im Online-Chat „WaldDialog“ erhalten die Anwender*innen passgenaue
Antworten – ohne selbst lange in Dokumenten oder auf Webseiten suchen zu
müssen. Die Anwendung nutzt Technologien der generativen Künstlichen
Intelligenz, um Inhalte personalisiert und barrierearm bereitzustellen. So
wird der Wissenstransfer zu Konflikten um den Wald der Zukunft noch
wirksamer und praxisnäher gestaltet.
Zum Forschungsprojekt „Konflikte um den Wald der Zukunft“
Der Leitfaden sowie weitere Informationen zum Forschungsprojekt „Konflikte
um den Wald der Zukunft – Analyse und kooperative Bearbeitung von
waldbezogenen Aushandlungsprozessen im Kontext des Klimawandels“ sind
unter www.waldkonflikte.de zu finden. Das Forschungsprojekt wurde vom
Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) im
Rahmen des Förderprogramms „Nachwachsende Rohstoffe“ aufgrund eines
Beschlusses des Deutschen Bundestags gefördert. Die Mediation im
Forschungsprojekt wurde professionell von Gisela Wachinger (pro re)
begleitet. Den Online-Chat „Wald-Dialog“ hat Florian Keil
(keep_it_balanced/ai4ki) entwickelt.
Leitfaden als PDF-Download
Kreß-Ludwig, Michael, Anna S. Brietzke, Gisela Wachinger, Deike U. Lüdtke
(2025): Konflikte um den Wald der Zukunft – gemeinsam tragfähige Lösungen
finden. Leitfaden. Frankfurt am Main: Institut für sozial-ökologische
Forschung (ISOE). DOI: 10.5281/zenodo.17750866
https://www.isoe.de/uploads/do
Link zum Online-Chat „Wald-Dialog“
https://walddialog.isoe.de
