Bund fördert Projekt für autonome Unterwasser-Robotik zur Inspektion schwimmender Offshore-Energieplattformen
Startschuss für eine neue Offshore-Ära: Ungebremstes Biofouling treibt die
Betriebskosten von Offshore-Anlagen in die Höhe und gefährdet ihre
Strukturintegrität – zukunftsfähige Gegenmaßnahmen sind dringend gefragt.
In dem vom BMWE mit rund 10 Mio. € geförderten Verbundprojekts FORE-PAIR
bündeln BAM, Fraunhofer IFAM und Rosenxt ihre Expertise. Gemeinsam
entwickeln sie autonome Unterwasserroboter, die marinen Bewuchs frühzeitig
detektieren und Schäden verhindern, sowie umweltfreundliche
Beschichtungen, die erneutem Aufwuchs vorbeugen. Bis 2029 sollen diese
Technologien die Wirtschaftlichkeit und Funktionssicherheit schwimmender
Plattformen dauerhaft verbessern.
Die Offshore-Inspektion und -Wartung ist mit mehreren zentralen
Herausforderungen konfrontiert: Anspruchsvolle Umweltbedingungen wie
starke Strömungen, Bewuchs, Korrosion und eingeschränkte Sicht erschweren
präzise Unterwasserarbeiten erheblich. Gleichzeitig sind Tauchereinsätze
kostspielig und risikobehaftet, was den Bedarf an automatisierten
Alternativen weiter erhöht. Zudem fehlen bislang Standards und belastbare
Technologien für autonome Unterwasserinspektionen, sodass viele Prozesse
manuell oder mit hohem logistischem Aufwand erfolgen müssen. So besteht
ein wachsender Bedarf an Daten-, Simulations- und Inspektionssystemen, um
Informationen verlässlich zusammenzuführen, digital abzubilden und
effizient auszuwerten.
Um diese komplexen Herausforderungen wirksam zu adressieren, schließen
sich führende Forschungseinrichtungen und industrielle Expertise im
Projekt FORE-PAIR zusammen. Die Bundesanstalt für Materialforschung und
-prüfung (BAM), das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und
Angewandte Materialforschung (IFAM), sowie Rosenxt als Technologiegruppe
bündeln wissenschaftliches Know-how, langjährige Offshore-Erfahrung und
modernste Technologieentwicklung, um gemeinsam neue Lösungen zu schaffen,
die Inspektion, Wartung und Reinigung unter Wasser sicherer, effizienter
und nachhaltiger machen.
Zentrale Innovationen und technologische Schwerpunkte
Ziel ist es, Technologien zu entwickeln, die die Inspektion, Wartung und
Reinigung schwimmender Offshore-Plattformen grundlegend verbessern. Dazu
zählen autonome Unterwasserfahrzeuge (Autonomous Underwater Vehicle, AUV),
die die Tragstrukturen von Offshore-Anlagen auch in größeren Tiefen
zuverlässig erfassen und selbst unter starken Strömungen oder
eingeschränkter Sicht frühzeitig Schäden erkennen können, hochauflösende
3D-Sensoriksysteme sowie digitale Zwillinge, die den Zustand der
Plattformen in Echtzeit abbilden, Veränderungen automatisch detektieren
und datenbasierte Wartungsentscheidungen ermöglichen. Darüber hinaus
werden nachhaltige Schutzlösungen untersucht, die Ablagerungen reduzieren
und damit die Lebensdauer von Anlagen verlängern. Ergänzt wird dies durch
AR/VR-gestützte Werkzeuge, die es dem Wartungspersonal erlauben, Einsätze
im digitalen Zwilling realitätsnah zu planen, Abläufe zu optimieren und
Reparatur- oder Inspektionsszenarien effizient vorzubereiten.
Die Bedeutung des Projekts wird auch von den beteiligten Partnern
hervorgehoben. So erklärt Özlem Özcan, Expertin für Material- und
Oberflächentechnologien an der Bundesanstalt für Materialforschung und
-prüfung: „Die zuverlässige Bewertung von Materialzuständen unter extremen
Umweltbedingungen ist ein zentraler Faktor für die Sicherheit und
Langlebigkeit von Offshore-Energieanlagen. Mit FORE-PAIR schaffen wir die
Grundlage, um modernste Prüf- und Inspektionstechnologien in ein autonomes
Gesamtsystem zu integrieren und damit neue Standards für den Betrieb
solcher Anlagen zu setzen.“
Auch das Fraunhofer IFAM unterstreicht das Potenzial des Projekts: „Für
die Offshore-Energie der Zukunft benötigen wir robuste, automatisierbare
und nachhaltige Lösungen – von zuverlässigen Reparaturprozessen bis hin zu
innovativen Schutzsystemen. FORE-PAIR bietet uns die einmalige
Gelegenheit, unser Know-how in Klebtechnik, Oberflächentechnologien,
cyberphysischer Qualitätssicherung und mobilen Robotiksystemen
einzubringen und gemeinsam praxistaugliche Anwendungen für die maritime
Industrie zu entwickeln“, so Tim Heusinger von Waldegge, Projektleiter am
Fraunhofer IFAM.
Aus Sicht des Industriepartners Rosenxt steht vor allem der Transfer in
reale Einsatzumgebungen im Fokus, wie Dr. Peter Kampmann, Head of Maritime
Robotics, berichtet: „Als technologieorientiertes Unternehmen mit einem
Schwerpunkt auf Einsätzen in besonders anspruchsvollen Umgebungen sehen
wir in FORE-PAIR einen entscheidenden Schritt für die Offshore-
Energiebranche. Die Förderung ermöglicht es uns, unser industrielles
Engineering-Wissen in die Entwicklung marktnaher Lösungen einzubringen,
die Inspektion, Wartung und Reinigung auf See sicherer, effizienter und
nachhaltiger machen.“
Das bis 2029 laufende Vorhaben wird vom Bundesministerium für Wirtschaft
und Energie (BMWE) gefördert und im Rahmen des Maritimen
Forschungsprogramms durch den Projektträger Jülich (PtJ) betreut.
Interessierte können sich über den Fortschritt des Programms auf www.fore-
pair.de informieren.
Über das Projekt FORE-PAIR
FORE-PAIR (Floating Offshore Renewable Energy Platforms with Autonomous
Inspection Robots) ist ein interdisziplinäres Forschungs- und
Entwicklungsprojekt zur Stärkung der Offshore-Energieinfrastruktur in
Deutschland. Das Projekt kombiniert Robotik, Sensorik, digitale Zwillinge
und innovative Inspektionstechnologien, um autonome, sichere und
nachhaltige Lösungen für schwimmende Energieplattformen zu entwickeln.
Unter dem Förderkennzeichen 03SX628A umfasst das Projekt die Laufzeit vom
01.06.2025 bis 31.05.2029.
Über die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)
Die BAM ist eine wissenschaftlich-technische Bundesoberbehörde im
Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE).
Unser gesetzlicher Auftrag lautet: Die Sicherheit in Technik und Chemie zu
gewährleisten und ständig weiterzuentwickeln. Damit tragen wir zur Lösung
wichtiger gesellschaftlicher Herausforderungen bei und leisten zugleich
einen wichtigen Beitrag zur deutschen und europäischen Standortsicherung
und Wettbewerbsfähigkeit. Weitere Informationen finden Sie unter
www.bam.de
Über Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte
Materialforschung IFAM
Das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte
Materialforschung IFAM – 1968 gegründet und seit 1974 Teil der Fraunhofer-
Gesellschaft – ist heute eine der führenden unabhängigen
Forschungseinrichtungen Europas für Klebtechnik, Oberflächen, Formgebung
und Funktionswerkstoffe. An sieben Standorten – Bremen, Dresden, Stade,
Wolfsburg, Braunschweig, Helgoland und Cuxhaven – arbeiten rund 700
Mitarbeitende an einem Ziel: praxisnahe Lösungen, die schnell ihren Weg in
die industrielle Anwendung finden. Das Portfolio des Instituts adressiert
zentrale Zukunftsbranchen wie Mobilität, Energie, Luft- und Raumfahrt,
maritime Technologien, Medizintechnik und Life Sciences. Die Basis bilden
sieben eng verzahnte Kernkompetenzen: Metallische und Polymere Werkstoffe,
Oberflächentechnik, Kleben, Formgebung und Komponentenfertigung,
Energiespeicher und –wandler sowie Automatisierung und Robotik. Sie
ermöglichen es, die komplette Wertschöpfungskette abzudecken: von der
Materialentwicklung über Produktdesign bis hin zur Pilotfertigung,
Qualitätssicherung und Integration in Produktionsprozesse. Weitere
Informationen finden Sie unter www.ifam.fraunhofer.de.
Über Rosenxt
Rosenxt ist eine zukunftsorientierte Technologiegruppe. Ende 2023 von
Hermann Rosen, dem Gründer der ROSEN Gruppe, neu ins Leben gerufen,
verfügt sie über Jahrzehnte an Ingenieurs-Exzellenz. Als ein privat
geführter globaler Partner mit mehr als 550 Mitarbeitenden setzt Rosenxt
weiterhin auf die Entwicklung neuester Technologien und besitzt eine
breite Expertise im Bereich der Sensorik, autonomen Robotik, KI sowie
fortschrittlicher Materialien. Das Unternehmen erforscht und entwickelt
hochinnovative Produkte und Dienstleistungen für Kunden in sehr
anspruchsvollen Umgebungen (Harsh Environments) – dem Unterwasserbereich,
der Industrieproduktion, dem Bereich der erneuerbaren Energien und im
Bereich der Anlagensicherheit in der Wasser- und Energieversorgung. Der
Hauptsitz der Rosenxt Gruppe ist in der Schweiz. Weitere Informationen
finden Sie unter www.rosen-nxt.com.
