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Hausboot-Projekt der HAW Kiel erhält Förderung von der EKSH

Prof. Dr.-Ing. Henrik Dankowski (links im Bild und Prof. Dr. Thilo Rohlfs entwickeln ein Konzept für eine schwimmende Studierendensiedlung auf der Schwentine in Kiel.  Quelle: Leandra Freese
Prof. Dr.-Ing. Henrik Dankowski (links im Bild und Prof. Dr. Thilo Rohlfs entwickeln ein Konzept für eine schwimmende Studierendensiedlung auf der Schwentine in Kiel. Quelle: Leandra Freese
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Die HAW Kiel erarbeitet ein Konzept für eine Hausbootsiedlung für
Studierende in unmittelbarer Nachbarschaft der Hochschule. Die
schwimmenden Bauten könnten gleich zwei drängende Probleme der Stadt Kiel
lösen: den Mangel an bebaubarer Fläche und an günstigem Wohnraum für
Studierende. Für die Ausarbeitung des Konzepts erhielt das Projektteam
jetzt 96.600 Euro aus dem Landesförderfonds Energiewendeforschung (LEF)
der Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein GmbH
(EKSH).

Wohnen auf dem Wasser ist in Deutschland immer noch eine absolute
Ausnahme. Das möchte die HAW Kiel ändern: Im Rahmen des Projekts
„Schwimmende Bauten“ erforscht sie die technischen und regulatorischen
Voraussetzungen für eine Hausbootsiedlung für Studierende. Den perfekten
Ort hat das Projektteam bereits gefunden: die Schwentinemündung, an deren
Ufer die Hochschule grenzt. Im Vergleich zur Kieler Förde ist sie gut vor
Wellengang geschützt und weit weniger befahren.

Die Idee: Ausrangierte Container zu Hausbooten umbauen

Die Idee für die schwimmenden Häuser basiert auf zwei studentischen
Abschlussarbeiten der HAW Kiel. Nele Glüsing, Absolventin des
Bachelorstudiengangs Bauingenieurwesen, hatte die Idee, ausrangierte
Container, die zuvor als Flüchtlingsunterkünfte dienten, als Hausboote
dauerhaft zu nutzen. Jann Lüttmann griff die Idee auf und entwickelte in
seiner Bachelorarbeit den konkreten Entwurf, der jetzt Grundlage der
weiteren Ausarbeitung sein wird: „Zu erleben, dass die eigene
Abschlussarbeit nicht einfach abgeheftet wird, sondern Grundlage eines
realen Projekts wird, ist etwas Besonderes. Die Vorstellung, dass mein
Konzept vielleicht bald wirklich auf der Förde schwimmt, motiviert enorm“,
freut sich Lüttmann. Mittlerweile ist Lüttmann im Masterstudiengang
Schiffbau und Maritime Technik eingeschrieben und kann als studentische
Hilfskraft seine Idee weiterverfolgen.

Energieautark und nachhaltig

Begleitet wird er dabei von Prof. Dr.-Ing. Hendrik Dankowski. Der
Professor für Schiffbau und Maritimen Umweltschutz wird dafür sorgen, dass
am Ende des Projekts ein „solider technischer Entwurf“ steht. Dieser soll
neben einer stabilen Schwimmlage auch ein zukunftsfähiges Energiekonzept
umfassen: „Wir wollen energieautarke Häuser. Die wenige Energie, die sie
z. B. für ihre Wärmepumpen benötigen, sollen sie über Photovoltaikanlagen
selbst produzieren. Dabei lassen wir uns auch von besonderes
energieeffizienter Technik auf Schiffen inspirieren.“

Um den auch auf dem Wasser begrenzten Platz bestmöglich zu nutzen, würden
die Beteiligten am liebsten zweigeschossige Bauten auf Schwimmpontons
platzieren. „Wir wollen günstig und nachhaltig zugleich bauen“, betont
Prof. Dr. Thilo Rohlfs vom Institut für Bauwesen, der zweite Mann an Bord
des Projekts Schwimmende Bauten. „Das erreichen wir mit modularen
gleichförmigen Objekten. Schließlich sollen die Hausboote für Studierende
auch bezahlbar bleiben.“ Als Experte für Bau-, Planungs- und Umweltrecht
kümmert sich Rohlfs um sämtliche regulatorische Fragen wie etwa des
Baurechts und des Brandschutzes.

Am Ende der auf neun Monate ausgelegten Projektphase soll ein ausgereiftes
Konzept stehen, das zeigt, wie eine energieautarke, nachhaltige Wohnform
auf dem Wasser aussehen kann – ein Modell, das sich perspektivisch auf
andere Städte mit Wasserflächen übertragen lässt. Mit diesem möchte sich
das Projektteam dann um eine Anschlussförderung bemühen, um einen Prototyp
zu bauen.

Unterstützung aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik

Das Projekt stößt auf breite Zustimmung in der Landeshauptstadt: Die
Kieler Gebr. Friedrich-Wert hat ebenso ihre Unterstützung signalisiert wie
das Hafenamt der Stadt. Und auch das GEOMAR Helmholzzentrum für
Ozeanforschung, ebenfalls Anrainer der Schwentine, kann sich vorstellen,
seine Expertise in das Projekt mit einzubringen. Schließlich spielt das
Projektteam mit dem Gedanken, CO₂-bindende Algengärten in die schwimmende
Studierendensiedlung zu integrieren.