Forschungsraum EQUIP: Neue Innovationsschmiede an der THWS
Kooperationsprojekt für automatisierte Labortechnik läuft bis 2029
Wegweisende Fortschritte im Bereich „Life Science Engineering“: An der
Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) entsteht mit dem
Forschungsraum EQUIP ein hochmodernes, automatisiertes Labor für
innovative Optimierung von Wirkstofftransportern, in Zusammenarbeit mit
Prof. Dr. Dagmar Fischer von der Friedrich-Alexander-Universitä
Nürnberg (FAU) und dem Fraunhofer-Institut für Silicatforschung (ISC) in
Würzburg. Projektleiter an der THWS ist Prof. Dr. Jan Hansmann vom
Institut für Medizintechnik (IMES), Förderträger ist das Bundesministerium
für Forschung, Technologie und Raumfahrt.
Im Zentrum des neuen Forschungsprojekts steht die datengetriebene
Optimierung lipid-basierter Nanopartikel. Diese Partikel sind
beispielsweise Wirkstofftransporter für mRNA-Impfstoffe wie gegen das
Corona-Virus. Künftig sollen sie auch für die präzise Behandlung von
Krebserkrankungen eingesetzt werden. Damit die Nanopartikel innerhalb des
menschlichen Körpers dort ansetzen können, wo sie gebraucht werden, müssen
sie ganz bestimmte Gewebeeigenschaften haben, um etwa in die Haut
eindringen oder die Bluthirnschranke überwinden zu können. Welche
Eigenschaften für den jeweiligen Einsatz optimal sind, wird an
menschlichen Gewebemodellen getestet, wodurch sich die Zahl notwendiger
Tierstudien verringern lässt.
Die Datenmengen aus diesen Testreihen werden mit sogenanntem „Aktivem
Lernen“ – einer Strategie aus der künstlichen Intelligenz – analysiert, um
die jeweils optimalen Partikeleigenschaften herauszufinden. Mit
automatisierten Prozessen für die Herstellung, Analyse und die
biologischen Tests von Nanopartikeln wird das Team von EQUIP die
Herausforderungen in der Wirkstoffentwicklung angehen. „Durch die
Automatisierung steigern wir die Standardisierung und Reproduzierbarkeit
der Partikeleigenschaften“, erläutert Projektleiter Prof. Dr. Jan
Hansmann. Das Forschungsvorhaben stelle somit ein Konzept für eine
präklinische Entwicklungsplattform. Dies sei nicht nur ein
wissenschaftlicher Meilenstein, sondern auch ein bahnbrechender Ansatz für
den Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis.
Einsatz für Studierende, Weiterbildung für Fachkräfte
Eine besondere Stärke des Projekts liegt in seinem dreistufigen
Qualifizierungskonzept. Die Integration von Studierenden und
Promovierenden eröffnet jungen Talenten an der Schnittstelle von
Ingenieurs- und Lebenswissenschaften neue Bildungschancen. Zudem arbeitet
die THWS mit Industriepartnern – der OPTIMA packaging group GmBH und dem
Lab Automation Network – an einem berufsbegleitenden
Weiterbildungsprogramm für Fachkräfte in der Automatisierungstechnologie
mit Bezug zu Life Sciences. „In Zeiten des industriellen Strukturwandels,
insbesondere in der Region Schweinfurt, leistet die THWS mit diesem Ansatz
einen wertvollen Beitrag zur Transformation der Industrie und wirkt dem
Fachkräftemangel in der Biotechnologie entgegen“, betont Prof. Dr.
Hansmann.
„Das Projekt EQUIP ist ein Paradebeispiel für die zukunftsorientierte
Symbiose aus Forschung, Bildung und industrieller Zusammenarbeit und zeigt
eindrucksvoll, wie akademische Institutionen aktiv zur Lösung globaler
Herausforderungen beitragen können“, betont Prof. Dr. Jan Schmitt,
Vizepräsident für Forschung und Gründung an der THWS.
Die Forschungsinitiative EQUIP ist eines von bundesweit 23 geförderten
Projekten und läuft noch bis Ende 2029. Die Förderlinie wird gemeinsam vom
fachlich zuständigen Ressort des Landes Bayern und dem Bundesministerium
für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Rahmen des Programms
„Forschung an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW)“ finanziert.
