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Intensiv- und Notfallmediziner der DIVI fordern: STIKO-Empfehlung für Influenza-Impfung für alle ab dem 6. Lebensmonat

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Influenza ist eine ernst zu nehmende Erkrankung: In einer Pressekonferenz
mit gleichlautendem Titel forderte die Deutsche Interdisziplinäre
Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) heute die STIKO auf,
eine Influenza-Impf-Empfehlung für Kinder ab sechs Monaten sowie
Erwachsene auszusprechen.

„Die Welt-Gesundheitsorganisation WHO hat dies bereits getan, andere
Europäische Länder zeigen uns, dass mit groß angelegten Impf-Kampagnen
zahlreiche Kinder wie Erwachsene erfolgreich geschützt werden können – nur
wir in Deutschland lassen weiterhin zu einem Großteil die Grippewelle
ungeschützt über uns rollen“, so DIVI-Präsident Prof. Florian Hoffmann,
Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Dritter
Orden München-Nymphenburg. „Das muss sich ändern! Denn gerade Kinder
können auch schwer an dem Virus erkranken.“

135.000 Fälle wegen Influenza im Krankenhaus, davon 30.000 Kinder – der
Intensivmediziner Prof. Christian Karagiannidis, Vorstandsmitglied der
DIVI und Leiter des ARDS- und ECMO- Zentrums der Lungenklinik Köln-
Merheim, hatte die Zahlen des vergangenen Winters zusammengestellt.
„30.000 Kinder – das entspricht einer Kleinstadt!“, bemerkte er. Anders
als bei Corona wisse man, dass vor allem die Influenza-Inzidenzen bei
Kindern extrem hoch seien. Kinder würden erheblich zur Verbreitung der
jährlichen Influenza-Epidemie beitragen, wodurch laut AOK-Fehlzeitenreport
zwischenzeitlich 10 bis 15 Prozent der arbeitenden Bevölkerung wegen
respiratorischer Infektionen krank zu Hause seien. „Bei unserer derzeit
schwachen Wirtschaft können wir uns das gar nicht leisten. Auch unter
diesem Aspekt wäre eine Impfung für alle, die älter als sechs Monate sind,
sinnvoll“, so Karagiannidis.

10 Prozent der Kinder, die wegen Influenza auf die Intensivstation
mussten, sind verstorben

Um die sehr schweren Verläufe von Influenza-Erkrankungen zu dokumentieren,
führte die DIVI zudem im Januar und Februar dieses Jahres, als die
Infektionszahlen steil nach oben gingen, eine Befragung unter
Kinderintensivstationen durch. Die angefragten Kliniken meldeten Dr. Ellen
Heimberg, stellvertretende Sprecherin der DIVI-Sektion Pädiatrische
Intensiv- und Notfallmedizin, insgesamt 181 Kinder wegen Grippe auf der
Intensivstation. „Wir haben hier wirklich sehr schwere Verläufe
dokumentiert“, bedauert Heimberg, Oberärztin der Interdisziplinären
Pädiatrischen Intensivstation am Universitätsklinikum Tübingen.

„10 Prozent der Kinder auf der Intensivstation sind verstorben“, zeigte
Ellen Heimberg auf. „Weitere 10 Prozent sind mit großen neurologischen
Defiziten, das heißt mit starken, vielleicht ein Leben lang bestehenden
Beeinträchtigungen, nach Hause gegangen. Solche Komplikationen können
beispielsweise nach einer begleitenden Infektion des Gehirns auftreten.“
Die Kinder waren alle ungeimpft. Etwas mehr als ein Drittel der Kinder
seien vorher vollkommen gesund gewesen, berichtete sie, andere hätten
Vorerkrankungen wie Asthma gehabt oder hatten als ehemalige Frühgeborene
ein höheres Risiko.

Beispiel RSV-Impfung: Fallzahlen und Krankheitslast deutlich
zurückgegangen

Nachdem die RSV-Impfung bereits in zwei Wintern die schweren und sehr
schweren Verläufe bei Kindern mehr als deutlich hat zurückgehen lassen,
appellieren die Intensiv- und Notfallmediziner jetzt an die STIKO sowie
auch an die gesamte Bevölkerung, diesem Beispiel zu folgen: Eine
Grippeimpfung ist absolut sinnvoll!

„Es gibt mehrere zugelassene Impfstoffe“, zeigte daher DIVI-Präsident
Hoffmann in der Pressekonferenz auf. „Denn selbstverständlich kann man
sich auch ohne STIKO-Empfehlung impfen lassen: Die intramuskulär zu
spritzenden Impfstoffe sind für alle, die älter als sechs Monate sind,
zugelassen. Und dann gibt es noch ein Nasenspray, das für alle, die älter
als zwei Jahre sind, angewendet werden darf – falls die Spritze ein
Problem darstellt.“ Somit gibt es wirklich überhaupt keine Ausrede mehr!