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Festessen zu Weihnachten: Nur „Guter Fisch“ auf den Tisch

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Für viele hat Fisch an Weihnachten Tradition. Leider ist
„guter Fisch“ immer seltener zu haben, denn Überfischung, Zerstörung von
Lebensräumen und hohe Beifangmengen sorgen dafür, dass die nachhaltige
Wahl beim Einkauf immer schwerer fällt. In diesem Jahr ist die gemeinsame
Liste "Guter Fisch" der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH), des GEOMAR
Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR), des Naturschutzbundes
Deutschland e.V. (NABU), des World Wide Fund For Nature (WWF) und der
Verbraucherzentralen endlich etwas länger geworden, doch an vielen Stellen
ist noch Vorsicht geboten.

– Gemeinsame Pressemitteilung der Verbraucherzentralen, des GEOMAR
Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, der Deutschen Umwelthilfe, des
Naturschutzbunds Deutschland und des World Wide Fund For Nature –

Zum ersten Mal seit Erstellung der Liste "Guter Fisch" werden 14 Arten
empfohlen. Keine Art musste im Vergleich zum letzten Jahr gestrichen
werden. Der Rot- und Ketalachs aus Alaska konnte wieder als empfehlenswert
aufgenommen werden. Beim Weißen Thun und Echten Bonito wurde die
Empfehlung auf weitere Fanggebiete ausgeweitet. Erfreulicherweise haben es
die Sardelle (Anchovy) aus der Biskaya und die chilenische Schildmakrele,
beides kleinere Schwarmfische aus dem unteren Bereich der Nahrungskette,
in diesem Jahr auf die Liste geschafft. Weiterhin finden sich regionale
Plattfische wie Scholle, Kliesche und Flunder auf der Liste. Für alle
Arten gilt, dass sie nur empfehlenswert sind, wenn sie aus den genannten
Fanggebieten stammen und mit akzeptablen Fangmethoden gefischt werden.

Die Erweiterung der Liste klingt wie ein Grund zur Freude, doch diese ist
weiter getrübt: Viele beliebte Speisefische wie der Nordsee-Hering oder
der Kabeljau werden weiterhin überfischt. Außerdem steht Verbraucherinnen
und Verbrauchern insgesamt zu wenig Fisch zur Auswahl, der mit
nachhaltigen Fanggeräten gefangen wird.

Dr. Rainer Froese, Meeresökologe und Fischereiwissenschaftler am GEOMAR
Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, erklärt: „Der Zustand der
Speisefische in deutschen Gewässern wird leider nicht besser: Der Bestand
des Dorschs ist jetzt endgültig zusammengebrochen, der des Nordsee-Herings
schrumpft, und für den westlichen OstseeHering sollte eigentlich ein
Fangverbot gelten. Die Ostsee-Sprotte mussten wir schon letztes Jahr von
der Liste nehmen, nun gilt sie auch offiziell als überfischt.“

Auch die veränderten Umweltbedingungen wie die Erwärmung, Versauerung und
Verschmutzung unserer Ozeane machen den Fischen zu schaffen, betont die
Deutsche Umwelthilfe (DUH). Isabel Seeger, Fachreferentin Meeresschutz bei
der Deutschen Umwelthilfe, erläutert: „Die anhaltende Überfischung wird
durch den schlechten Zustand unserer Meere verschärft. Es gibt immer
weniger Gebiete, in denen sich Fische ungestört fortpflanzen und
aufwachsen können. Wir müssen dafür sorgen, dass Meeresschutzgebiete
wirksam sind und Naturschutzrecht umgesetzt wird – denn ohne Fische, keine
Fischerei.“

Verbraucherinnen und Verbraucher haben die Wahl

Die Nachfrage entscheidet mit, was der Markt liefert. Ein bewusster
Einkauf kann helfen, die Umweltverträglichkeit der Fischerei zu
beeinflussen. Dank einer Abfrage bei den wichtigsten Händlern und
Anbietern lassen sich konkrete Fischprodukte benennen, die mit Fisch von
der Guter Fisch-Liste hergestellt werden.

Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg: „Viele Verbraucherinnen
und Verbraucher essen gerne Fisch und kennen gleichzeitig das Problem der
Überfischung. Wir werden oft gefragt, welche Fische wir noch empfehlen
können. Mit Hilfe unserer Liste kann jede und jeder selbst  entscheiden,
welcher Fisch zu Weihnachten auf dem Tisch landet.“

Dr. Kim Detloff, NABU-Leiter Meeresschutz, fordert: „Wir brauchen endlich
ein ökosystembasiertes Fischereimanagement, ausgerichtet auf
Nachhaltigkeit und Qualität statt auf kurzfristige wirtschaftliche
Interessen. Dazu muss die  Fischereipolitik grundsätzlich geändert werden.
Mit der Liste ,Guter Fisch’ können Verbraucher*innen einen wichtigen
Beitrag dazu leisten, Fischpopulationen und den Lebensraum Meer nicht noch
weiter zu gefährden.“

Dr. Philipp Kanstinger, WWF Fischereiexperte: „Überfischung hat viele
Bestände geschwächt – die Klimakrise gibt ihnen nun den Rest. Wärmeres,
sauerstoffärmeres Wasser setzt insbesondere Fischen wie Hering und
Kabeljau zu. Wer auf die ‚Guter Fisch‘-Liste schaut, sorgt dafür, dass
übernutzte Bestände entlastet und verantwortungsvoller arbeitende
Fischereien unterstützt werden."

So funktioniert die Liste

Für unverarbeiteten Fisch und Tiefkühlprodukte sind Angaben zu Fischart,
Fangmethode und Fanggebiet verpflichtend. Diese sollten genau mit der
Liste verglichen werden, damit am Ende kein Fisch aus einem stark
bedrohten Bestand im Einkaufswagen landet. Allerdings ist die gesetzlich
vorgeschriebene Kennzeichnung nicht immer ausreichend detailliert, um
bewerten zu können, ob ein Produkt „guter Fisch“ ist. Im Zweifel ist eine
gezielte Nachfrage zu empfehlen.

Neben der Herkunft ist die Fangmethode ein wichtiges Kriterium.
Verschiedene Geräte wirken sich unterschiedlich auf die Bestände, den
Meeresboden und die anderen Tiere im Ökosystem aus. Besonders schädlich
sind häufig Grundschleppnetze, da sie viel Beifang haben und den
Meeresboden zerstören. Trotzdem werden sie vielerorts sogar noch in
Meeresschutzgebieten eingesetzt.