Europäisches Projekt erforscht Sortier-, Tracing-, und Recyclingtechnologien für Textilabfälle
Eine europäische Forschungsinitiative unter der Leitung von Fraunhofer
UMSICHT sucht integrierte Lösungen für das Recycling von Textilabfällen.
Das Projekt AUTOLOOP will ein System aufbauen, mit dem bis zum Jahr 2050
jährlich 1,24 Millionen Tonnen Textilabfälle verwertet und potenziell über
130.000 Arbeitsplätze in der gesamten EU geschaffen werden könnten.
Dafür
werden automatisierte Sortier-, Rückverfolgungs- und Closed-Loop-
Recyclingtechnologien für Textilien auf Polyesterbasis entwickelt,
getestet und in einem Kreislauf integriert, um die dringende
Herausforderung der Textilabfallentsorgung anzugehen.
Die europäische Textil- und Bekleidungsindustrie beschäftigt 1,3 Millionen
Menschen und erwirtschaftet jährlich rund 170 Milliarden Euro. Allerdings
fallen dabei jedes Jahr 10,9 Millionen Tonnen Textilabfälle an, von denen
derzeit weniger als 1 Prozent durch geschlossene Kreislaufprozesse zu
neuen Textilien recycelt werden. »Die Textilindustrie befindet sich an
einem kritischen Punkt«, erklärt Dr. Thomas Fehn, Koordinator von AUTOLOOP
bei Fraunhofer UMSICHT. »Dieses Projekt steht für einen Paradigmenwechsel
von Abfall zu Ressource, indem ausrangierte Kleidung in wertvolle
Rohstoffe für neue Kleidungsstücke umgewandelt wird.«
Technologische Ansätze und Arbeitspakete
AUTOLOOP integriert mehrere technologische Innovationen für das
vollständige Recycling von Textilien auf Polyesterbasis (PET), die von den
Projektpartnern weiterentwickelt und validiert werden:
KI-gestützte Sortierung: Das Sortierverfahren von ZORITEX identifiziert
mithilfe von hyperspektraler Nahinfrarot-Technologie über 15 verschiedene
Fasertypen und deren Mischungen. Dieser automatisierte Ansatz könnte den
Sortierdurchsatz verzehnfachen und gleichzeitig die Kosten um 50 bis 75
Prozent senken.
Recycling von Zellulosefasern: Das Ioncell®-Verfahren von AALTO nutzt
innovative ionische Flüssiglösungsmittel, um Zellulosefasern aus
Textilgemischen zu extrahieren, und erreicht dabei Recyclingquoten von
über 95 Prozent ohne schädliche Chemikalien.
Chemisches Recycling: Die von Fraunhofer UMSICHT und SKZ entwickelte
ReSyn-Technologie depolymerisiert synthetische Fasern in hochreine
Basischemikalien (rTPA) für die Herstellung neuer Materialien und arbeitet
selbst bei kontaminierten Textilien effizient.
Intelligente Faserverfolgung: Die IntegriTEX®-Technologie von TLX bettet
unsichtbare Identifikatoren in Fasern ein und ermöglicht so eine
kontaktlose Erkennung und vollständige Transparenz der Lieferkette.
Digitale Integration: Der cloudbasierte Data Hub von TEXROAD
standardisiert das Informationsmanagement über den gesamten Lebenszyklus
hinweg und gewährleistet die Einhaltung neuer Regularien wie dem Digital
Product Passport.
Erwartete Ergebnisse bis 2050
Bei erfolgreicher Skalierung könnte der integrierte Ansatz von AUTOLOOP
Folgendes bewirken:
Jährlich 1,24 Millionen Tonnen Textilabfälle recyceln.
Eine Materialrückgewinnungsquote von 96 % erreichen.
Über 130 000 neue grüne Arbeitsplätze in der gesamten EU schaffen.
Die Kosten für die kommunale Abfallentsorgung senken (derzeit 60 bis 110
EUR pro Tonne).
Die Abhängigkeit der Textilindustrie von fossilen Rohstoffen deutlich
verringern.
Europäische Perspektive
Das Projekt vereint 14 Partner aus sieben Ländern und verbindet
Forschungseinrichtungen mit Industriepartnern. Zum Konsortium gehören
ZORITEX (Großbritannien), die AALTO-Universität (Finnland), Fraunhofer
UMSICHT (Deutschland), TLX (Deutschland) und TEXROAD (Niederlande), ELT
(Großbritannien), TRASBORG (Dänemark), VTT (Finnland), SKZ (Deutschland),
S4L (Großbritannien), LEEDS (Großbritannien), NORION (Dänemark), TEMASOL
(Schweiz) und LGI (Frankreich).
Ausblick
Angesichts der Weiterentwicklung der europäischen Regulatorik zur
Abfallwirtschaft und einer steigenden Nachfrage nach nachhaltigen
Textilien bietet AUTOLOOP eine technologische Grundlage für geschlossene
Kreisläufe in der Textilindustrie. Das Projekt zeigt, wie mittels
fortschrittlicher Sortier-, Tracking-, und Recyclingtechnologien der
Übergang von linearen zu zirkulären Produktionsmodellen gelingen kann.
AUTOLOOP wird im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms »Horizont
2020« der Europäischen Union unter der Fördervereinbarung Nr. 101181624
gefördert.
