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Mein Trainer, die Künstliche Intelligenz

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Höher, schneller, weiter: Auf dem Weg zur Bestleistung sind digitale
Trainer auf dem Vormarsch. Dabei lässt sich auch der Einsatz Künstlicher
Intelligenz (KI) in Fitness- und Gesundheits-Apps nicht mehr wegdenken. Zu
Besuch beim Training des Triathlon-Teams Hagen im Ischelandstadion nicht
weit vom Campus der FernUniversität in Hagen:

Die Sportlerinnen und
Sportler haben den an der FernUni entwickelten Prototyp eines KI-Trainers
getestet. Jobin Strunk, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für
BWL, insb. Betriebliche Anwendungssysteme von Prof. Dr. Stefan Smolnik,
beschäftigt sich in seiner Promotion mit dem Vertrauen in KI-Empfehlungen
im Sport wie auch in anderen Lebensbereichen.

Ob Trainingsplanung mit einem KI-Trainer, Investitionen an der Börse oder
autonomes Fahren: KI-Systeme begleiten uns in vielen
Entscheidungssituationen. „Als Teildisziplin des Forschungsbereichs
Mensch-Computer-Interaktion beschäftigen wir uns mit KI-basierten Agenten,
die Entscheidungshilfen bieten“, ordnet der Wirtschaftsinformatiker Prof.
Stefan Smolnik die Forschung an seinem Lehrstuhl ein.

Finanzielles, soziales und gesundheitliches Risiko

Typische Beispiele für solche KI-Systeme zur Entscheidungsunterstützung
sind Chatbots für personalisierte Produktempfehlungen, medizinische
Bildanalysen für präzise Diagnosen in Kliniken sowie Robo-Advisor zur
Unterstützung von Finanzanlagen. „Es gibt nicht die KI“, betont Strunk.
„Entscheidend ist, ob Menschen Vertrauen zu den Systemen aufbauen können.
Die Nutzung muss daher immer auch im Kontext betrachtet werden, der häufig
mit verschiedenen Risikofaktoren und -facetten einhergeht.“

Zentral für seine Forschung ist daher das Konzept des Vertrauens als
Voraussetzung für die Akzeptanz von KI-Empfehlungen. Je stärker das
Vertrauen in die KI ausgeprägt ist, desto eher wird ihren Vorschlägen
gefolgt. Die Forschung hat den Einfluss der verschiedenen Risikofacetten
(finanziell, sozial und gesundheitlich) auf die Akzeptanz von KI-
Empfehlungen bislang jedoch noch nicht vollständig untersucht. Um diese
Lücke zu schließen, haben die FernUni-Wissenschaftler prototypische KI-
Anwendungen unter anderem für Online-Experimente entwickelt. „Aus unseren
Ergebnissen lässt sich ableiten, dass ein psychosoziales Risiko am
ehestens in Kauf genommen wird gefolgt vom physischen Risiko“, fassen
Prof. Stefan Smolnik und Jobin Strunk als zentrales Ergebnis zusammen.
„Die höchste Aversion zeigt sich beim finanziellen Risiko.“ Viele Menschen
würden also eher einem medizinischen Diagnosesystem vertrauen als einer
KI, die ihr Vermögen verwaltet.

Zurück auf den Hagener Trainingsplatz: Inwiefern gewinnt der KI-Trainer
dort an Stellenwert? Das Triathlon-Team hat anhand eines Prototyps sein
Training inklusive Planung und Nachbesprechung durchgespielt. „Die
Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Trainingsempfehlungen und die
imitierte menschenähnliche Interaktion können das Vertrauen in KI-basierte
Trainer erhöhen“, fasst Jobin Strunk zusammen. „Sportlerinnen und Sportler
vertrauen dem KI-Trainer nicht allein deshalb, weil dieser technisch
plausibel wirkt, sondern auch, weil ein Gefühl von Unterstützung,
Sicherheit und sozialer Interaktion vermittelt wird."

Emotionale Ebene der Athleten-Trainer-Beziehung

Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Athleten-Trainer-Beziehung eine
hohe emotionale Ebene beinhaltet. So sahen es manche Testpersonen durchaus
kritisch, ob ein KI-Trainer ihre Emotionen und Empfindungen beim Training
verstehen kann. Die FernUni-Studie unterstreicht daher die Notwendigkeit
eines vertrauenszentrierten Designs für KI-Trainer, das auf die
Bedürfnisse von Freizeitsportlern zugeschnitten ist. Förderlich sind
darüber hinaus Datenkontrollmechanismen.

Am Lehrstuhl von Prof. Dr. Stefan Smolnik wird auch zukünftig weiter rund
um die KI-Agenten geforscht, schon allein, weil die Wachstumsraten
explodieren. Eine Folgenutzung von KI-Trainern ist mit dem Hagener
Triathlon-Team zwar noch nicht vereinbart. Grundsätzlich ist die Gruppe
aber bereit, an weiteren Studien teilzunehmen. So viel Vertrauen in den
KI-Trainer ist also bereits vorhanden.