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Boxenstopp – Mehrwegverpackungen fÃŒr eine nachhaltigere Lebensmittelindustrie

Juliane und Adrian Spieker haben mit PFABO ein Mehrwegsystem entwickelt, das Produktion, Logistik, Reinigung und digitale Nachverfolgung miteinander vereint.  Copyright: Ricarda SchÃŒller
Juliane und Adrian Spieker haben mit PFABO ein Mehrwegsystem entwickelt, das Produktion, Logistik, Reinigung und digitale Nachverfolgung miteinander vereint. Copyright: Ricarda SchÃŒller
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𝐃𝐚𝐬 𝐒𝐭𝐚𝐫𝐭𝐮𝐩 𝐏𝐅𝐀𝐁𝐎, 𝐀𝐮𝐫𝐳 𝐟Ì𝐫 𝐏𝐅𝐚𝐧𝐝𝐁𝐎𝐱𝐞𝐧, 𝐛𝐫𝐢𝐧𝐠𝐭 𝐊𝐢𝐭 𝐬𝐞𝐢𝐧𝐞𝐊 𝐢𝐧𝐧𝐚𝐯𝐚𝐭𝐢𝐯𝐞𝐧
𝐏𝐟𝐚𝐧𝐝𝐬𝐲𝐬𝐭𝐞𝐊 𝐍𝐚𝐜𝐡𝐡𝐚𝐥𝐭𝐢𝐠𝐀𝐞𝐢𝐭 𝐢𝐧 𝐝𝐢𝐞 𝐋𝐞𝐛𝐞𝐧𝐬𝐊𝐢𝐭𝐭𝐞𝐥𝐢𝐧𝐝𝐮𝐬𝐭𝐫𝐢𝐞. 𝐃𝐢𝐞 𝐆𝐫Ì𝐧𝐝𝐞𝐫*𝐢𝐧𝐧𝐞𝐧
𝐉𝐮𝐥𝐢𝐚𝐧𝐞 𝐮𝐧𝐝 𝐀𝐝𝐫𝐢𝐚𝐧 𝐒𝐩𝐢𝐞𝐀𝐞𝐫 𝐞𝐧𝐭𝐰𝐢𝐜𝐀𝐞𝐥𝐧 𝐊𝐢𝐭 𝐢𝐡𝐫𝐞𝐊 𝐓𝐞𝐚𝐊 𝐧𝐢𝐜𝐡𝐭 𝐧𝐮𝐫 𝐞𝐢𝐧𝐞 𝐧𝐞𝐮𝐞
𝐕𝐞𝐫𝐩𝐚𝐜𝐀𝐮𝐧𝐠, 𝐬𝐚𝐧𝐝𝐞𝐫𝐧 𝐞𝐢𝐧 𝐀𝐚𝐊𝐩𝐥𝐞𝐭𝐭𝐞𝐬 𝐌𝐞𝐡𝐫𝐰𝐞𝐠𝐬𝐲𝐬𝐭𝐞𝐊, 𝐝𝐚𝐬 𝐏𝐫𝐚𝐝𝐮𝐀𝐭𝐢𝐚𝐧,
𝐋𝐚𝐠𝐢𝐬𝐭𝐢𝐀, 𝐑𝐞𝐢𝐧𝐢𝐠𝐮𝐧𝐠 𝐮𝐧𝐝 𝐝𝐢𝐠𝐢𝐭𝐚𝐥𝐞 𝐍𝐚𝐜𝐡𝐯𝐞𝐫𝐟𝐚𝐥𝐠𝐮𝐧𝐠 𝐊𝐢𝐭𝐞𝐢𝐧𝐚𝐧𝐝𝐞𝐫 𝐯𝐞𝐫𝐞𝐢𝐧𝐭.



𝐈𝐡𝐫 𝐙𝐢𝐞𝐥: 𝐄𝐢𝐧𝐰𝐞𝐠𝐯𝐞𝐫𝐩𝐚𝐜𝐀𝐮𝐧𝐠𝐞𝐧 𝐢𝐧 𝐝𝐞𝐫 𝐋𝐞𝐛𝐞𝐧𝐬𝐊𝐢𝐭𝐭𝐞𝐥𝐢𝐧𝐝𝐮𝐬𝐭𝐫𝐢𝐞 𝐝𝐫𝐚𝐬𝐭𝐢𝐬𝐜𝐡
𝐫𝐞𝐝𝐮𝐳𝐢𝐞𝐫𝐞𝐧 𝐮𝐧𝐝 𝐌𝐞𝐡𝐫𝐰𝐞𝐠 𝐚𝐥𝐬 𝐢𝐧𝐝𝐮𝐬𝐭𝐫𝐢𝐞𝐥𝐥𝐞𝐧 𝐒𝐭𝐚𝐧𝐝𝐚𝐫𝐝 𝐞𝐭𝐚𝐛𝐥𝐢𝐞𝐫𝐞𝐧. 𝐃𝐮𝐫𝐜𝐡 𝐝𝐚𝐬
𝐓𝐞𝐚𝐊 𝐝𝐞𝐫  𝐒𝐭𝐚𝐫𝐭-𝐀-𝐅𝐚𝐜𝐭𝐚𝐫𝐲, 𝐝𝐚𝐬 𝐇𝐚𝐫𝐝𝐰𝐚𝐫𝐞-𝐒𝐭𝐚𝐫𝐭𝐮𝐩𝐬 𝐮𝐧𝐝 𝐅𝐚𝐫𝐬𝐜𝐡𝐞𝐧𝐝𝐞 𝐚𝐊
𝐅𝐫𝐚𝐮𝐧𝐡𝐚𝐟𝐞𝐫 𝐈𝐙𝐌 𝐳𝐮𝐬𝐚𝐊𝐊𝐞𝐧𝐛𝐫𝐢𝐧𝐠𝐭, 𝐀𝐚𝐧𝐧𝐭𝐞𝐧 𝐝𝐢𝐞 𝐏𝐅𝐀𝐁𝐎-𝐁𝐚𝐱𝐞𝐧 𝐝𝐚𝐧𝐀 𝐞𝐢𝐧𝐞𝐬 𝐊𝐈-
𝐠𝐞𝐬𝐭Ì𝐭𝐳𝐭𝐞𝐧 𝐏𝐫Ì𝐟𝐯𝐞𝐫𝐟𝐚𝐡𝐫𝐞𝐧𝐬 𝐟𝐢𝐭 𝐟Ì𝐫 𝐝𝐢𝐞 𝐇𝐲𝐠𝐢𝐞𝐧𝐞𝐚𝐧𝐟𝐚𝐫𝐝𝐞𝐫𝐮𝐧𝐠𝐞𝐧 𝐢𝐧 𝐝𝐞𝐫
𝐋𝐞𝐛𝐞𝐧𝐬𝐊𝐢𝐭𝐭𝐞𝐥𝐢𝐧𝐝𝐮𝐬𝐭𝐫𝐢𝐞 𝐠𝐞𝐊𝐚𝐜𝐡𝐭 𝐰𝐞𝐫𝐝𝐞𝐧.

𝐖𝐚𝐬 𝐰𝐚𝐫 𝐞𝐮𝐫𝐞 𝐌𝐚𝐭𝐢𝐯𝐚𝐭𝐢𝐚𝐧, 𝐞𝐮𝐜𝐡 𝐊𝐢𝐭 𝐝𝐞𝐧 𝐓𝐡𝐞𝐊𝐞𝐧 𝐌𝐞𝐡𝐫𝐰𝐞𝐠𝐯𝐞𝐫𝐩𝐚𝐜𝐀𝐮𝐧𝐠𝐞𝐧 𝐮𝐧𝐝
𝐊𝐫𝐞𝐢𝐬𝐥𝐚𝐮𝐟𝐰𝐢𝐫𝐭𝐬𝐜𝐡𝐚𝐟𝐭 𝐳𝐮 𝐛𝐞𝐬𝐜𝐡À𝐟𝐭𝐢𝐠𝐞𝐧?
𝐉𝐮𝐥𝐢𝐚𝐧𝐞: Verpackungen haben ihre Berechtigung - sie schÃŒtzen Produkte,
sichern Transport und Haltbarkeit. Über die Jahre ist daraus allerdings
eine Art „Verpackungsutopie“ geworden. Vieles wird doppelt und dreifach
verpackt, was oft gar keinen weiteren Schutz bietet. Als Endverbraucher*in
merkt man das vor allem beim Einkaufen: Man kommt nach Hause und als
Erstes wandern ganz viele Verpackungen in den MÃŒlleimer. Hier wird das
Verpackungsaufkommen deutlich spÌrbar, wÀhrend es in der Industrie
deutlich weitreichender, aber fÃŒr Verbraucher*in weitestgehend unsichtbar
bleibt. So fÃŒllen Produzent*innen zum Beispiel Feinkost und Salate ab,
schicken sie weiter, dort werden sie wieder ausgepackt, und die Verpackung
wird sofort entsorgt. Ein Riesenaufwand fÃŒr etwas, das nur ein paar
Stunden genutzt wird. Da haben wir uns gedacht – Das muss auch anders
gehen.

Unser Ziel ist klar: Mit PFABO möchten wir weg vom linearen System, wo
Verpackungen nur einmal genutzt werden, hin zu einer echten
Kreislaufwirtschaft. Das heißt konkret: Mehrweg aus der Nische holen und
als Standard etablieren. Wir setzen dafÃŒr vor allem bei den Unternehmen
selbst an und helfen ihnen dabei umzudenken von „ich werfe etwas weg“ zu
„ich behalte es, fÃŒhre es zurÃŒck und nutze es wieder.“

𝐆𝐚𝐛 𝐞𝐬 𝐞𝐢𝐧𝐞𝐧 𝐒𝐜𝐡𝐥Ì𝐬𝐬𝐞𝐥𝐊𝐚𝐊𝐞𝐧𝐭, 𝐢𝐧 𝐝𝐞𝐊 𝐢𝐡𝐫 𝐞𝐮𝐜𝐡 𝐠𝐞𝐝𝐚𝐜𝐡𝐭 𝐡𝐚𝐛𝐭, 𝐝𝐚𝐬𝐬 𝐢𝐡𝐫 𝐝𝐢𝐞
𝐒𝐚𝐜𝐡𝐞 𝐬𝐞𝐥𝐛𝐬𝐭 𝐢𝐧 𝐝𝐢𝐞 𝐇𝐚𝐧𝐝 𝐧𝐞𝐡𝐊𝐞𝐧 𝐊Ì𝐬𝐬𝐭?
𝐉𝐮𝐥𝐢𝐚𝐧𝐞: Es gab mehrere. Ich selbst komme ursprÃŒnglich aus einer anderen
Branche, der Unternehmensberatung und habe dort unter anderem
KrankenhÀuser mit einer leitenden Position im Marketing betreut. Aber
irgendwann kam bei mir die Frage auf „Wie sinnstiftend ist meine Arbeit?“
Dazu kam, dass ich mit zwei Kindern noch mehr angefangen habe, mein
Konsumverhalten zu hinterfragen und eben nicht nur was kaufe ich ein,
sondern auch wie kommen die Lebensmittel auf den Tisch. Gleichzeitig haben
mich verschiedene Studien, in denen das steigende Verpackungsaufkommen der
letzten Jahrzehnte deutlich wird, immer wieder zum Nachdenken gebracht und
so habe ich schließlich gemeinsam mit meinem Bruder Adrian ÃŒberlegt, wie
man es anders machen kann – und aus diesen Überlegungen entstand nach
einiger Zeit PFABO. BestÀrkt in unserem Vorhaben hat mich dann zum
Beispiel eine Studie vom Fraunhofer Cluster of Excellence Circular
Plastics Economy CCPE zum Thema kunststoffbasierte Mehrwegsysteme in der
Kreislaufwirtschaft, die zeigt, dass Mehrwegsysteme eine sehr effektive
Lösung fÌr das steigende Verpackungsaufkommen der letzten Jahrzehnte
darstellen können.

Adrian ist Maschinenbauer und Produktentwickler und hat die Thematik zu
PFABO in seiner Masterarbeit wissenschaftlich aufbereitet und damit den
technischen Grundstein gelegt. Gleichzeitig haben wir Kontakte zu
möglichen Partner*innen gesucht und sind so schließlich auch auf das
Fraunhofer IZM gestoßen. Dort hatten wir dann Kontakt mit Alexandra Rydz
und Ulf Oestermann von der Start-A-factory. Die beiden haben uns spontan
zu einem Workshop eingeladen. Gemeinsam haben wir die ersten Ideen zur
Zusammenarbeit mit einzelnen Abteilungen im Forschungsinstitut entwickelt
und kurz darauf stand mit dem ersten Lockdown plötzlich alles still. Aber
das Projekt hat ÃŒberlebt, und wir sind weiter mit dem Fraunhofer IZM in
Kontakt geblieben. Mit dem EXIST-GrÃŒnderstipendium konnten wir die Arbeit
fortsetzen und professionalisieren.

Schließlich haben wir dann ein großes Forschungs- und Entwicklungsprojekt
vom Bundesministerium fÌr Landwirtschaft, ErnÀhrung und Heimat bekommen
und haben dann das Fraunhofer IZM als Verbundpartner mit ins Boot geholt.
Alexandra und Ulf haben uns wie vor dem Lockdown unterstÃŒtzt, und so
konnten wir durch die Kooperation mit Start-A-Factory den Weg zu unserem
Prototypen weitergehen. Start-A-Factory ist ein einmaliges Konzept in der
Wissenschaftslandschaft fÃŒr Entwicklungsteams mit Hardware-Fokus. Zusammen
mit Expert*innen aus der Wissenschaft, modernsten Anlagen und Kontakten zu
weiteren Partner*innen aus der Wirtschaft wurde unsere erste Produktidee
in kÃŒrzester Zeit zum professionellen Prototypen.

𝐔𝐧𝐝 𝐰𝐞𝐥𝐜𝐡𝐞𝐬 𝐊𝐧𝐚𝐰𝐡𝐚𝐰 𝐰𝐚𝐫 𝐟Ì𝐫 𝐞𝐮𝐫𝐞 𝐏𝐫𝐚𝐝𝐮𝐀𝐭𝐞𝐧𝐭𝐰𝐢𝐜𝐀𝐥𝐮𝐧𝐠 𝐚𝐮𝐬𝐬𝐜𝐡𝐥𝐚𝐠𝐠𝐞𝐛𝐞𝐧𝐝?
𝐉𝐮𝐥𝐢𝐚𝐧𝐞: Beim Thema Kreislaufwirtschaft mÃŒssen sehr viele Punkte
mitgedacht werden, vor allem wenn sie im großen Maßstab funktionieren
soll. Bei Hunderttausenden oder mehr Verpackungen im Umlauf ist es
schlicht unmöglich, jede einzelne Box per Hand zu kontrollieren, weswegen
uns von Anfang an klar war, dass der Schritt der QualitÀtsÌberprÌfung
automatisiert werden muss. Hier hat das Fraunhofer IZM seine Erfahrung
eingebracht. Gemeinsam mit Carsten Brockmann und Christian Tschoban aus
der Abteilung RF & Smart Sensor Systems haben wir ÃŒberlegt: Welche
Parameter mÌssen geprÌft werden? Wie lÀsst sich Sensorik so einsetzen,
dass BeschÀdigungen oder RÌckstÀnde zuverlÀssig erkannt werden?

Wir wollten ein System, das hygienisch einwandfrei arbeitet und dabei
wirtschaftlich bleibt. Die Forschenden vom Fraunhofer IZM haben dann eine
Sensorik vorgeschlagen, welche wir gemeinsam fÃŒr PFABO adaptiert haben. Im
Mittelpunkt steht hier ein KI-gestÃŒtztes PrÃŒfverfahren, bei dem die
Maschine „lernt“, bestimmte OberflÀchenstrukturen oder VerfÀrbungen zu
erkennen und RÌckschlÌsse auf mögliche Kontaminationen zieht. Die
Entwicklung dieser PrÃŒfsensorik war fÃŒr uns ein großer Fortschritt, da wir
so sicherstellen können, dass eine Verpackung, die in den Kreislauf
zurÃŒckkommt, den gleichen Hygieneanforderungen wie eine Einwegverpackung
entspricht – nur eben mit viel weniger Abfall, da eine unserer Boxen
zwischen 250- und 500-mal wiederverwendet werden kann.

𝐍𝐢𝐊𝐊 𝐊𝐢𝐜𝐡 𝐊𝐚𝐥 𝐛𝐢𝐭𝐭𝐞 𝐊𝐢𝐭 𝐚𝐮𝐟 𝐝𝐢𝐞 𝐑𝐞𝐢𝐬𝐞 𝐯𝐚𝐧 𝐬𝐚 𝐞𝐢𝐧𝐞𝐫 𝐞𝐮𝐫𝐞𝐫 𝐁𝐚𝐱𝐞𝐧 𝐯𝐚𝐧
𝐇𝐞𝐫𝐬𝐭𝐞𝐥𝐥𝐮𝐧𝐠, Ì𝐛𝐞𝐫 𝐁𝐞𝐧𝐮𝐭𝐳𝐮𝐧𝐠 𝐛𝐢𝐬 𝐡𝐢𝐧 𝐳𝐮 𝐑𝐞𝐢𝐧𝐢𝐠𝐮𝐧𝐠 𝐮𝐧𝐝 𝐖𝐢𝐞𝐝𝐞𝐫𝐯𝐞𝐫𝐰𝐞𝐧𝐝𝐮𝐧𝐠...
𝐉𝐮𝐥𝐢𝐚𝐧𝐞: Alles beginnt bei unserem Produktionsunternehmen, der Adoma GmbH
im AllgÀu. Dort entstehen im Spritzgussverfahren unsere Boxen, die je nach
Größe
0,25 – 5,4 Liter fassen. Schon in der Produktion wird ein Inmold-Label
integriert – das Etikett, welches fÃŒr die digitale RÃŒckverfolgung wichtig
ist. Von dort gehen die Boxen zunÀchst in die Reinigung und werden
schließlich an die Lebensmittelproduzent*innen oder direkt in den Handel
geliefert. Die Boxen werden dann mit beispielsweise Feinkost- oder
Obsalsalaten, Desserts oder Conveniencenprodukten befÃŒllt. Je nach
Anwendung gelangen sie manchmal noch ÃŒber den Großhandel direkt zu den
Verwender*innen. Dort wird die Ware entnommen, verarbeitet oder an
Endkund*innen weitergegeben.

Wir beliefern zum Beispiel auch die Vivantes KrankenhÀuser in Berlin,
welche seit einigen Jahren im Take Away komplett auf Mehrwegverpackungen
setzen. Das ist ein positives Beispiel, wie das konsequente und
ausnahmslose Umdenken einer Firma Mehrweg zur NormalitÀt machen kann. Wir
haben errechnet, dass alleine im Take Away Vivantes so im Jahr circa
620.000 Becher einspart, die sonst Einwegprodukte gewesen wÀren. Bei
dieser Verwendung reinigt das Unternehmen die Becher oder Boxen selbst und
danach kehrt die Box oder der Becher zurÃŒck in den Kreislauf. Bei der
klassischen Zulieferung (Produktion – Auslage) werden die Gebinde
gesammelt und zu einer zentrale Reinigung bei beispielsweise Cup&More
geschickt, wo die entscheidende QualitÀtskontrolle passiert. Dank der
Sensorik, die wir mit dem Fraunhofer IZM entwickelt haben, kann dort jede
Box/Eimer zuverlÀssig geprÌft werden und nur, wenn die Gebinde alle Checks
besteht, wird sie wieder zur Verwendung freigegeben.

𝐃𝐮 𝐡𝐚𝐬𝐭 𝐊𝐢𝐭 𝐕𝐢𝐯𝐚𝐧𝐭𝐞𝐬 𝐣𝐞𝐭𝐳𝐭 𝐞𝐢𝐧𝐞 𝐄𝐫𝐟𝐚𝐥𝐠𝐬𝐠𝐞𝐬𝐜𝐡𝐢𝐜𝐡𝐭𝐞 𝐠𝐞𝐧𝐚𝐧𝐧𝐭, 𝐚𝐛𝐞𝐫 𝐰𝐢𝐞,
𝐰Ì𝐫𝐝𝐞𝐬𝐭 𝐝𝐮 𝐬𝐚𝐠𝐞𝐧, 𝐢𝐬𝐭 𝐝𝐞𝐧𝐧 𝐌𝐞𝐡𝐫𝐰𝐞𝐠 𝐡𝐞𝐮𝐭𝐞 𝐠𝐞𝐧𝐞𝐫𝐞𝐥𝐥 𝐬𝐜𝐡𝐚𝐧 𝐢𝐧 𝐝𝐞𝐫 𝐏𝐫𝐚𝐱𝐢𝐬
𝐚𝐧𝐠𝐞𝐀𝐚𝐊𝐊𝐞𝐧 𝐮𝐧𝐝 𝐰𝐚 𝐬𝐢𝐞𝐡𝐬𝐭 𝐝𝐮 𝐝𝐢𝐞 𝐠𝐫öß𝐭𝐞 𝐇𝐞𝐫𝐚𝐮𝐬𝐟𝐚𝐫𝐝𝐞𝐫𝐮𝐧𝐠 𝐢𝐧 𝐝𝐞𝐊 𝐏𝐫𝐚𝐳𝐞𝐬𝐬?
𝐉𝐮𝐥𝐢𝐚𝐧𝐞: Ganz klar im Umdenken. Unternehmen haben ÃŒber Jahrzehnte
Strukturen aufgebaut und Prozesse etabliert. Wenn man da eingreift,
bedeutet das erstmal Reibung. Abteilungen mÌssen plötzlich enger
zusammenarbeiten, Verantwortlichkeiten verschieben sich. Ohne ein klares
Signal „von oben“ nach dem Motto „Wir machen das jetzt“ funktioniert es
nicht. Und obwohl es seit einiger Zeit sogar Pflicht ist, Mehrweg im Take
Away anzubieten, passiert dies auch in vielen FÀllen noch nicht. Das
zeigt, wie tief das Muster sitzt. Neben uns - wir engagieren uns vor allem
im Bereich Business-to-Business, weil wir dort die größte Wirkung sehen -
gibt es auch noch einige andere Anbieter, die AnsÀtze im Business-to-
Customer Bereich anbieten. So gibt es in einigen SupermÀrkten schon
Mehrweg an der Frischetheke, in Restaurants fÃŒr den Außerhaus Verzerr oder
auch Molkereiprodukte im Glas. Aber insgesamt ist die
Mehrwegangebotspflicht fÃŒr Endverbraucher*innen eine Hol- aber keine
Bringepflicht. Wichtig ist und bleibt klares und konsequentes Handeln,
sonst funktioniert es nicht.

Dazu kommen natÃŒrlich auch technische Herausforderungen. Jede neue
Verpackung durchlÀuft lange Entwicklungszyklen: Von der Zeichnung, Ìber
3D-Druck, Tests, Werkzeugbau, Anpassungen, AbfÃŒll- und Reinigungstests. Da
zÀhlt jedes Detail, ob es um MaterialstÀrke, Verschluss oder FÌllvolumen
geht. Bei PFABO sind wir mittlerweile aber ein eingespieltes Team und
haben ein gutes Projektmanagement etabliert, sodass diese technischen
Entwicklungszyklen relativ reibungslos ablaufen.

𝐖𝐢𝐫 𝐬𝐢𝐧𝐝 𝐟𝐫𝐚𝐡, 𝐝𝐚𝐬𝐬 𝐢𝐡𝐫 Ì𝐛𝐞𝐫 𝐝𝐢𝐞 𝐒𝐭𝐚𝐫𝐭-𝐚-𝐅𝐚𝐜𝐭𝐚𝐫𝐲 𝐳𝐮 𝐮𝐧𝐬 𝐠𝐞𝐟𝐮𝐧𝐝𝐞𝐧 𝐡𝐚𝐛𝐭 𝐮𝐧𝐝
𝐬𝐢𝐧𝐝 𝐠𝐞𝐬𝐩𝐚𝐧𝐧𝐭 𝐝𝐚𝐫𝐚𝐮𝐟, 𝐝𝐢𝐞 𝐙𝐮𝐀𝐮𝐧𝐟𝐭 𝐯𝐚𝐧 𝐏𝐅𝐀𝐁𝐎 𝐳𝐮 𝐯𝐞𝐫𝐟𝐚𝐥𝐠𝐞𝐧 - 𝐰𝐚𝐡𝐢𝐧 𝐬𝐚𝐥𝐥 𝐞𝐮𝐫𝐞
𝐑𝐞𝐢𝐬𝐞 𝐝𝐞𝐧𝐧 𝐢𝐧 𝐝𝐞𝐧 𝐧À𝐜𝐡𝐬𝐭𝐞𝐧 𝐉𝐚𝐡𝐫𝐞𝐧 𝐠𝐞𝐡𝐞𝐧?
𝐉𝐮𝐥𝐢𝐚𝐧𝐞: Unser Ziel ist und bleibt, Mehrweg raus aus der Nische zu holen
und fest in der Industrie zu etablieren und noch viel mehr: Mehrweg als
Standard fÌr PrimÀrverpackungen in der Lebensmittelbranche. DafÌr bauen
wir unsere Technik natÃŒrlich immer weiter aus und unterstÃŒtzen Unternehmen
bei der Umstellung. Parallel wollen wir unsere Netzwerke stÀrken. Dazu
braucht es Forschung, Industrie und Politik, denn Innovation allein reicht
nicht aus, klare gesetzliche Vorgaben sind ebenso wichtig. Als
GrÃŒndungsmitglied und ehemaligem Vorstandsmitglied im Mehrwegverband
Deutschland liegt es mir ebenfalls am Herzen, dass wir
Mehrwegenthusiast*innen uns mehr standardisieren und professionalisieren.
Wir rÃŒcken regelmÀßig bei Veranstaltungen und Fachtagungen das Thema
Mehrweg in das Zentrum der Aufmerksamkeit.

Ich erwarte keine 180 Grad-Wendung in einem halben Jahr, aber viele kleine
Schritte, die vor allem konsequent durchgezogen werden, können einen
großen Unterschied machen. DafÃŒr brauchen wir mutige Unternehmen,
technische Entwicklung, Anwender- und Verbraucher*innen, die mitziehen und
eine Politik, die dem Ganzen einen rechtlichen Rahmen setzt. Dann kann
Mehrweg zur NormalitÀt werden, und genau das ist unser Antrieb.

(Interview: Lotta Jahnke)

Originalpublikation:
https://www.izm.fraunhofer.de/de/news_events/tech_news/pfabo.html