DANK: Mythen der Zuckerindustrie im Faktencheck – Bekenntnis der Politik zur Zuckergetränkesteuer gefordert
Das Bundeskabinett hat sich für die Zuckergetränkesteuer ausgesprochen,
doch die Entscheidung des Bundestags steht noch aus. Gemäß aktuellen
Medienberichten steht die Steuer auf der Kippe. Dabei betonen
wissenschaftliche und medizinische Fachorganisationen seit vielen Jahren:
Die Zuckergetränkesteuer kann helfen, Adipositas- und Diabeteserkrankungen
zu vermeiden und den Anstieg von Gesundheitskosten zu dämpfen. Vor den
entscheidenden Beratungen im Bundestag stellt die Zuckerindustrie mit
irreführenden Argumenten die Wirksamkeit der Zuckergetränkesteuer in
Frage.
Eine heute veröffentlichte wissenschaftliche Stellungnahme nimmt die
Argumente der Zuckerindustrie unter die Lupe und zeigt auf, wo sie in die
Irre führen.
Mythos: Für das Körpergewicht zählt allein die Kalorienbilanz, nicht der
Zucker
Fakt: Zuckergetränke erhöhen die Kalorienaufnahme und damit das
Körpergewicht.
Mythos: Die Zuckersteuer hilft nicht gegen Übergewicht und Adipositas.
Fakt: Umfangreiche Evidenz spricht für die Wirksamkeit von
Zuckergetränkesteuern.
Mythos: Die Zuckersteuer kostet Arbeitsplätze.
Fakt: Unabhängige Studien liefern keine Hinweise auf Arbeitsplatzverluste.
Von niedrigeren Gesundheitskosten profitiert auch die Wirtschaft.
Mythos: Die Zuckersteuer ist ein Bürokratiemonster.
Fakt: Der geschätzte Verwaltungsaufwand der Zuckergetränkesteuer bewegt
sich in einer ähnlichen Größenordnung wie bei anderen Steuern.
Die Stellungnahme untersucht neun häufige Argumente der Lebensmittel- und
Getränkeindustrie und stellt ihnen evidenzbasierte Fakten, Erfahrungen aus
anderen Ländern sowie eine wissenschaftliche Einordnung gegenüber.
„Die Zucker- und Lebensmittellobby zündet eine Nebelkerze nach der
anderen. Statt sich mit den wissenschaftlichen Fakten auseinanderzusetzen,
wird abgelenkt, Evidenz ausgeblendet und mit schnell zu erzeugenden
Ängsten gearbeitet. Wer die Argumente der Industrie genauer prüft, erkennt
schnell: Vieles davon hält einem Faktencheck nicht stand. Die Politik
sollte sich nicht täuschen lassen. Eine bessere Gesundheit und geringere
Krankheitskosten nutzen allen, und auch der Wirtschaft“, kommentiert
Barbara Bitzer, Sprecherin des Wissenschaftsbündnis DANK und
Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), die
Argumentationsstrategie der Industrie.
Prof. Dr. med. Peter von Philipsborn, Hauptautor der Stellungnahme und
Leiter des Lehrstuhls für Public Health Nutrition an der Universität
Bayreuth, ergänzt: „Zuckergetränke erhöhen das Risiko für Adipositas,
Typ-2-Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für die
Prävention dieser Erkrankungen braucht es eine umfassende Strategie. Die
Zuckergetränkesteuer ist kein Allheilmittel, aber ein zentraler Baustein
im Einsatz gegen ernährungsbedingte Erkrankungen und ein wichtiger Schritt
hin zu einer wirksamen Präventionspolitik.“
Die Zuckergetränkesteuer soll im November im Deutschen Bundestag erörtert
werden. Im Vorfeld intensivierten sich die Debatten um die Wirksamkeit der
Steuer und ihre intendierte Lenkungswirkung. „Eigenverantwortung braucht
Rahmenbedingungen, die gesündere Entscheidungen erleichtern, unabhängig
vom Bildungsstand oder vom Geldbeutel. Genau diese Rahmenbedingungen kann
die Politik jetzt schaffen“, schließt Präventionsexpertin Bitzer.
Zur Vollversion der Stellungnahme:
Peter von Philipsborn, Anette Buyken, Karl Emmert-Fees, Hans Hauner,
Berthold Koletzko, Eva Rehfuess, Diana Rubin, Falko F. Sniehotta:
Argumente gegen die Zuckergetränkesteuer: eine Einordnung. Zenodo 2026.
Online: https://doi.org/10.5281/zenodo
