Zum Hauptinhalt springen

Verteidigungshaushalt 2027: Rekordsumme allein sichert noch keine Verteidigungsfähigkeit

Pin It

Der Entwurf für den Verteidigungshaushalt 2027 sieht Rekordausgaben von
rund 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vor. Seit 2022 haben sich die
deutschen Verteidigungsausgaben damit mehr als verdoppelt und erreichen
ein Niveau wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. Doch die steigenden
Mittel führen nicht automatisch zu mehr Verteidigungsfähigkeit. Der Kiel
Policy Brief von Johannes Binder und Antonia Döring zeigt, wo Deutschland
die zusätzlichen Milliarden gezielter einsetzen muss – insbesondere bei
moderner Beschaffung, europäischer Kooperation sowie Forschung und
Entwicklung.



Innerhalb des Haushalts verschiebt sich das Gewicht deutlich zugunsten der
militärischen Beschaffung: Ihr Anteil an den Gesamtausgaben steigt von
rund 17 auf über 40 Prozent. Doch bei den größten Beschaffungstiteln, die
rund 83 Prozent des gesamten Volumens ausmachen, dominieren weiterhin
etablierte Waffensysteme und Munition, während Drohnen und andere neue
Technologien kaum ins Gewicht fallen. Auch bei Fähigkeiten wie der
Satellitenkommunikation setzt Deutschland eher auf nationale statt
europäisch gebündelte Lösungen.

Als weiteren Schwachpunkt identifiziert die Analyse die Forschungs- und
Entwicklungsausgaben, die trotz ihrer Bedeutung für militärische wie
wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit seit Jahren bei niedrigen 3 bis 4
Prozent verharren und damit beispielsweise deutlich hinter dem Vereinigten
Königreich (rund 5 Prozent) und den USA (rund 10 bis 11 Prozent).

„Am Ende ist die entscheidende Frage nicht, wie viel Geld ausgegeben wird,
sondern was man dafür bekommt“, sagt Johannes Binder, Ökonom am Kiel
Institut und Mitautor der Studie. „Entscheidend ist, die Mittel gezielt
auf moderne Systeme, europäische Kooperation sowie Forschung und
Entwicklung auszurichten.“

Die zentrale Aufgabe besteht nun nicht mehr primär darin, zusätzliche
Mittel für die Verteidigung zu mobilisieren, sondern sie richtig
einzusetzen, so schlussfolgern Binder und Döring. Dafür müssen
industrielle Fertigungskapazitäten frühzeitig mitgedacht und gezielt
ausgebaut werden, damit die zusätzliche Nachfrage nicht schlicht zu
höheren Preisen führt, sondern tatsächlich in zusätzliche militärische
Fähigkeiten und wirtschaftliche Wertschöpfung mündet.

Jetzt Kiel Policy Brief lesen: Große Summen, offene Fragen: Der deutsche
Verteidigungshaushalt 2027/https://www.kielinstitut.de/de/publikationen
/grosse-summen-offene-fragen-der-deutsche-

verteidigungshaushalt-2027-20170/